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Freitag, 28. April 2017

Eine Mischung schöner Bilder

So schnell vergeht die Zeit, bereits zum Dezemberblog 1913 habe ich die Geschichte erzählt, wie wir zu den Aquarellen und Schwarzweißbildern Heilmeiers gekommen sind, der um 1900 in Kötzting arbeitete und dessen Vater ihn in dieser Zeit öfters besuchte und bei dieser Gelegenheit seinem Hobby zu malen und zu fotografieren nachging.
Der Weihnachtsblog 1913

Einige Ereignisse in dieser Woche haben mich wieder drauf gebracht, dass ich eh ein paar der Aquarelle vorstellen wollte und so gehts los.

Der Tod unseres Mitbürgers Karl Amberger - der Moakmillner Karl - hat mich daran erinnert, dass ich als Hintergrundbild dieses Blogs immer ein Aquarell des Marktmühlenfalls benutze. Dieses Bild ist durch die Blogbeiträge immer weitgehend verdeckt und damit unsichtbar.
der Fall bei der Marktmühle in der Ansicht von Matthias Heilmeier gemalt ca um 1900
Dieser Wasserfall musste noch um die Jahrhundertwende jedesmal abgesenkt werden, wenn vom den Arberwäldern herab die Flößer mit ihren Blöchern ankamen. Der Lohn für diese Mühe - die Müller waren zu dieser Arbeit aber verpflichtet - bestand idR aus einem Bloch, das sich der Müller dann aus der Menge der angeschwemmten Hölzer herausziehen durfte. Oberhalb des Wehres befand sich bis hinein in die 70er Jahre der Zusammenfluss mit dem Dampfbach, der vorher noch den "Baumweiher" des Marktmüllers speiste. Von daher stammt auch der Name "Ambergerinsel"  weil diese Wiese somit damals komplett von Wasser umspielt war.
Das Wehr stellte auch seit Jahrhunderten - und dies gilt auch heute noch - eine Fischereigrenze dar. Von Pulling herauf bis zum Wehr und vom Wehr aufwärts bis nach Hohenwarth. Früher in Besitz der Hofmarken Blaibach bzw. Hohenwarth, heutzutage in Privatbesitz bzw. beim Fischereiverein.
Ganz rechts das Gebäude im Hintergrund am Flussufer dürfte die Kegelbahn beim Kollmeierkeller gewesen sein, weiter links anschließen, mit dem dunklen Dach, vermutlich die Kommunbrauerei..

Damit ist das Stichwort "Pulling" gefallen. Bevor wir das Rätsel der Herkunft der Aquarelle lösen konnten, stellten wir alle Möglichen Vermutungen an, weil sich einige Bilder mit der Eisenbahn beschäftigten. Eisenbahn UND 1900, das könnte auf einen Ingenieur hinweisen, der sich um das bzw. um neue Strecken kümmern sollte.....knapp daneben, wie sich später herausstellen sollte.
Auf jeden Fall ist dieses Bild von Pulling, es gibt mehrere aus dieser Ecke, etwas ganz besonderes.
ich hab dieses Bild nicht nach bearbeitet, damit man den Zusammenhang sieht, die Bildchen sind in etwa in einem Postkartenformat und sind in kleinen Heften gebunden. Man beachte die Dampfeisenbahn im Hintergrund.
Weiter regenabwärts, nach Miltach,
Vor ein paar Tagen habe ich die, auch für mich überraschende, Auflösung über den Inhalt der SW Bilder veröffentlicht und dabei war auch eine bisher unbekannte Straßenbauaufnahme beim Ortseingang in Miltach mit dem damals noch vorhandenen Schlosstor.
Dieses Tor findet sich auch auf den Bildern Heilmeiers
hier das Schloss- bzw. das Ortseingangstor Miltachs von der anderen Seite, auch hier wieder in der Albumsansicht
Viele seiner Aquarelle finden sich sowohl in einer Bleistiftskizzenansicht als auch - wohl später - in Form eines ausgearbeiteten Aquarells. Manche haben wir allerdings nur als Bleistiftskizzen, wie diese Gesamtansicht des Miltacher Schlosses von der anderen Regenseite aus. Interessant für mich ist, dass er wie selbstverständlich die Eisenbahn in Pulling, hier ein Floss ins Geschehen mit eingebaut hatte. Das Schlosstor ist aus dieser Perspektive durch die Häuser und Bäume am Flussufer verdeckt.

Bei meinem Besuch im Staatsarchiv letzter Woche habe ich in den Verhörsprotokollen des Pfleggerichts Kötzting von 1747 die Verhandlung zweier Raufereien gefunden - und da schließt sich der Kreis wieder mit dem eingangs erwähnten Marktmüller.
Einer der "handelnden" Personen war der damalige Marktmüller Stephan Irlbacher, der Stephan Irlbacher, der am 1.7.1774 die Marktmühle dann an Johann Michael Amberger, Bauerssohn aus Thenried verkauft hatte und zwar inkl. des Marktlehens und einer Wiese auf dem Schussanger.
Dieser "Schussanger", gelegen auf der gegenüberliegenden Regenseite und selbst wieder abgetrennt durch Werkskanäle vom, erst heutzutage so genannten, Spitalplatz, stellt den Übungsplatz für die Kötztinger Schützen dar.

Staatsarchiv Landshut Pfleggericht Kötzting P 45 Verhörsprotokoll von 1747 Vergleich nach einem "trockenen" Haargeräuf zwischen dem Marktmüller Irlbacher und dem Bürgerssohn Christoph Kollmeier, einem Nachbarschaft.

 Gleich anschließend, und deswegen komme ich auf Bachmeierholz, wurde eine Rauferei verhandelt zwischen dem ledigen Bürgers- und Bäckerssohn Kaspar Lährnbecher und Franz Seiderer. Letzerer habe sich unterstanden, den Kläger, als dieser "die neue Wahlfahrt, in dem sogenannten Pachmayr Hölzl besuchen wollen", uf offenem Weg nit nur allein beim Haaren zu rauffen, sondern auch mit der flachen Hand ins Angesicht zu schlagen.
Diese, an und für sich, Kleinigkeit ist ein schöner Beleg für die einsetzende Wallfahrtstätigkeiten, nachdem das Gnadenbild erst im Oktober 1746 in die neu errichtete Kapelle eingeführt worden war. (Siehe Max Heitzer Böhmische Gnadenbilder der schmerzhaften Mutter in Bachmeierholz und Kolmstein in Band 1 der Beiträge zur Geschichte im Landkreis Cham Seite 94 ff



Die Wallfahrtskirche Bachmeierholz in dem Aquarell nach einer Bleistiftskizze von Matthias Heilmeier
Am Ende noch einmal das Bild, das der Künstler von sich selbst gemalt hatte:

Regierungsbaurat Mathias Heilmeier aus Rosenheim Vater des Kötztinger Geodäten Franz Heilmeier
Die rechte an den Bildern liegen beim Landkreis Cham, hier in Form des Museums Walderbach, wo die Bilder seit dem Ankauf durch den Landkreis ihre neue Heimat gefunden haben.

Montag, 24. April 2017

Wo ist das? ....eine überraschende Auflösung

Unbekannte Schwarzweißaufnahmen aus dem Krämerarchiv:

Auflösung durch einen - mittlerer weile auch schon historischen -  Zeitungsartikel


Bei mir im Archiv war ein Bündel SW Negative mit einem ungewöhnlichen 6x4 cm Format.
Seit Monaten bin ich ja in der Medienzentrale der Universität Regensburg Stammgast um Kötztinger Zeitungen und beschädigte Archivalien(das wird einmal ein extra Bericht) in hoher Qualität einzuscannen. Im Gespräch mit den sehr, sehr hilfsbereiten Mitarbeitern dort ergaben sich bereits die verschiedensten Möglichkeiten, alle möglichen Unterlagen zu digitalisieren.  - So konnten ich z.B. 400 Seiten eines verfilmten "Untertanenbuches des Kastenamtes Kötzting aus dem Jahre 1580" komplett digitalisieren, einen Satz von Luftaufnahmen, die mir Herr Ludwig Baumann letzte Woche aus dem Bestand der Sonderschule Kötzting überreicht hat, viele tausend Seiten an Zeitungsdigitalisaten u.s.w.
In diesem Gespräch brachte ich dann meine "Sondernegative" vor und konnte diese zu guten Händen übergeben, weil Herr Hartmann, der Systemadministrator der Universitätbibliothek, wusste, dass in einer anderen Abteilung solch ein Spezialskanner existierte.
Langer Rede kurzer Sinn, das Ergebnis war außerordentlich gut, viel besser als sich die Bilder hier im Blog darstellen lassen, weil dieser Blog automatisch eine Qualitätsminderung aus Platzgründen verlangt.

Also die Frage der Fragen ist:
wo sind die Bilder aufgenommen?
und dann
was ist da drauf?

Die Auflösung erfolgte von unerwarteter Seite:


Eines meiner laufenden Projekte ist es die Lokalausgaben der Kötztinger Zeitung(en) zu vervollständigen und - soweit möglich - zu digitalisieren. Speziell die Monatsausgaben jeweils um unser Pfingstfest herum fehlen leider regelmäßig, aber da es mehrere "Zeitungssammlungen" gibt, konnte ich bisher fast alle Lücken schließen.
Langer Rede kurzer Sinn in der Kötztinger Zeitung, Februar 1971 findet sich folgende Seite:


Damit ist klar, die Bilder berichten vom Bau der B 85 im Bereich zwischen Chamerau und Oberndorf. Diese Stelle hatte ich aufgrund des Flussverlaufes und der an manchen Bildern im Hintergrund zu vermutenden Eisenbahnlinie als die Wahrscheinlichste angesehen. Wochen vor dieser Sammelveröffentlichung erschien bereits ein Bild von der Erneuerung der Ortseinfahrt Miltach. Dieses Bild alleine stellte für mich bereits die Auflösung des Rätsels dar, weil die Arbeiter, die Arbeitsmaterialien und die Art des Bildes bereits die Zusammengehörigkeit zu dem Stapel an SW Negativen zeigte. Besonders interessant an dem Bild ist, dass noch das alte Tor des Schlosses in Miltach zu erkennen ist. Auch wenn der Photograph hier nicht genannt ist, so bin ich mir sehr sicher, dass es der Kötztinger Hauptlehrer Josef Bock war, der die Bilder gemacht hat, er hatte in Kötzting die Technik und das Interesse an solchen Motiven und die Verbindung zu KB Krämer, seinem Archiv  bzw. zur Kötztinger Zeitung bestand schon lange Jahre.

Wie der Redakteur schon schrieb:
So baute man damals Straßen, auch das ist ein interessanter Aspekt.

Dieses Bild aus der Kötztinger Zeitung wenige Wochen vor der obigen ganzseitigen Ausgabe veröffentlicht, war für mich schon der sichere Hinweis, dass auch die anderen Bilder aus dieser Miltach/Oberdorf Umgebung sein müßten





Dies Alles nur zur Ergänzung des Suchbildbeitrages vom vergangenen Herbst.
Eine Auflösung des hier direkt folgenden Ortsbildes kann noch nicht erfolgen. Die meisten Zuschriften auf FB deuteten auf Grafenwiesen. Aber nix gwiss woas ma net....
dies ist vlt das einfachste Bild, zumindest wenn dort Zuhause ist....ich bin es nicht und: Was ist das für ein Straßenschild und wo auf einem Dorf gibt es eine Einbahnstraße?
 Nachdem die Diskussion auf der FB Seite von Bad Kötzting mehrheitlich auf Grafenwiesen gedeutet hat, Kommt jetzt der Fokus auf die Landschaftsaufnahmen.
Hier hat die Diskussion als erstes den richtigen Hinweis gegeben ob die dargestellten Bilder nicht vielleicht spiegelverkehrt sind. Ja, kann sein, deshalb stelle ich die Bilder nun immer paarweise in den beiden möglichen Versionen vor. Die Frage ob spiegelverkehrt oder nicht, ist durch den Zeitungsbericht nun auch beantwortet.





hier geht es um einen (Damm) bau,
im Hintergrund glaube ich eine Eisenbahnstrecke
zu erkennen UND es liegt an einem Fluss Regen(?)

















hier sieht man die Flusslandschaft besser







hier wird gebaut mit Hilfe einer Werksbahn


sieht nach einem Dammbau aus, vlt wirds auch eine Brücke(?)






könnte das eine Eisenbahnstrecke werden?



der Weg führt durch steiniges Gelände






































Also das Rätsel ist gelöst, die Bilder stammen vom Bau der Ostmarkstraße und bilden den Bereich um Miltach/Oberndorf ab. Eine sichere Zuordnung des Bildes der Ortsdurchfahrt (mit Einbahnstraßenschild) steht aber noch aus. Grafenwiesen wird bevorzugt, ich weiß aber nicht ob es in Grafenwiesen eine Einbahnstraße mitten in der Ortschaft gab?





Montag, 27. März 2017

Kötzting vor 400 Jahren

Bemerkenswertes aus Kötzting von 1616 und 1617

Einmal etwas ganz anderes, Akten zum Mitlesen........

Zuerst aber einen kurzen Bericht über die diesjährige "Archivforschungssaison"
Meine Besuche in den überregionalen großen Archiven konzentrieren sich auf die Wintermonate, weil ich in diesen in meinem Hauptberuf schlichtweg Winterpause habe.
Es passt ganz gut, dass heuer, seit dem 1.1.2017, die bayerischen Staatsarchive ein Jahr lang einen Versuch durchziehen und die Benutzer selber fotografieren lassen bzw. für einen eher symbolischen Preis einen Großscanner benutzen lassen.

Das Staatsarchiv Landshut nun lässt fotografieren, allerdings:
ohne Stativ --- schade
ohne Blitz ---- versteht sich von selbst
nur an einer bestimmten Stelle im Lesesaal ----- leider nicht die hellste Stelle
keine Pläne ---- schade
kein Material, welches jünger als von 1917 ist ---- versteht sich auch von selbst (Datenschutz).

Also: ran an den Speck. In diesem Jahr war ich nun bereits zehn mal in Landshut und die Summe meiner Bilder reicht langsam an die 3500 Stück heran. (Stand 24.3.2017)
Besonders interessant sind hier die alten Verlassenschaftsakten

aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die Menschen die so 1850 verstorben sind reichen mit ihren Wurzeln - und in den Akten geht es ja um die Verwandtschaft dieser Menschen - bis weit in das 18. Jahrhundert zurück. Bei manchen Verstorbenen wird ein Verzeichnis des Besitzes aufgenommen, ein sogenanntes Inventarium. Solch ein Inventarium von Kötztinger Bürgersfamilien (natürlich sind im Bereich des Amtsgerichtes  Kötzting auch alle umliegenden Orte mit dabei),  gibt einen intimen Einblick in die Lebensumwelt der damaligen Zeit.

Sogar Kleinigkeiten über Pfingsten finden sich dazwischen:
Vor den Mallersdorfer Schwestern und sogar noch vor Familie Leszkier war es die Frau des Uhrmachers Lommer (wohnte im Dirnberger Haus), die das "Pfingstkranzl" anfertigte. Am Ende ihres Lebens wohnte sie im Spital und als sie verstarb besaß sie nur noch ein paar wenige armselige Kleider und ihr Bett. Ihre in Regen wohnende Tochter bat den Magistrat Kötzting um dieses und bot an dafür in den nächsten Jahren dieses "Pfingstkranzl" kostenlos anzufertigen.... allerdings vergeblich, denn nach der Satzung des Kötztinger Spitals gehörten sämtliche Habgüter eines Pfründtners (=Spitalbewohners) nach seinem Tode dem Spital.

StA Landshut Rep 166N-12 Schachtel 17 Lommer Katharina Verlassenschaftsakt
"dass die bezüglich des von derselben hinterlassenen Bettes bereits an den
Magistrat Kötzting mit der Bitte ihr dasselbe abzulassen sich gewandt habe, da sie
hieführ demselben das sog. Pfingstkränzchen in kommenden Jahren unentgeltlich
anzufertigen sich verpflichte"!
 anderes Beispiel: der Anfang des Inventariums des Kamminger Schmiedes Kauer

StALA Rep 166-N Schachtel 17 Kauer Georg Schmied von Kammern
Verlassenschaftsakt, hier das Inventarium

Ich habe diese (Kopier-) Gelegenheit genutzt und beginne noch einmal die alten Rechnungsreihen des Kötztinger Kastenamtes und des Pfleggerichtes ausheben zu lassen. Diese Reihen beginnen mit wenigen Einzelbänden im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts und setzen dann fast als lückenlose Reihe um 1590 ein.
Diese Buchreihe habe ich schon mal vor vielen Jahren in Hinblick auf Kötztinger Bürger durchgesehen und nun bietet sich die Gelegenheit noch etwas tiefer einzusteigen und das Material digital für unser Stadtarchiv zu sichern.
Es gibt einen Doppelband 1616 und 1617 vom Pfleggericht und vom Kastenamt. Anders als in anderen Landgerichten gab es im LG Kötzting Gebiete, welche dem Kastenamt Untertan waren und solche deren Bewohner vom Pfleggericht geführt: also auch bei Strafverfahren verurteilt wurden.
Kötzting hatte damals sowohl einen Kastenamtsrichter wie auch einen Pfleger. Der Kastenamtsrichter durfte - übrigens ebenso wie der damalige Kötztinger Kammerer) kleinere Vergehen selber aburteilen. Für die "schwereren" Verbrechen war dann aber (auch hier wie bei den Kötztinger Marktbewohnern und den Bewohnern der umliegenden adeligen Hofmarken) ausschließlich der Landrichter zuständig.
Aus diesem Grunde gibt es in den Pfleggerichtsrechnungen auch die Rubrik:

Ausgaben für die/den Malefikanten (Bösewichte)

Sonntag, 26. Februar 2017

Ab gehts in die Luft ....

wie in der Vergangenheit schon öfter zu sehen....von oben schaut die bekannte Welt ganz anders aus.
Was mir bei den Bildern, die vom Flugzeug aus in der näheren Umgebung Kötztings geschossen worden sind, sofort aufgefallen ist: in den sechziger Jahren haben alle Dörfer dasselbe Schulhaus hingestellt bekommen.
Lang - Erdgeschoss und erster Stock - lange Reihe von Fenstern - auf der grünen Wiese.
da hat ein Architekt ganz schon mit demselben Muster arbeiten können.
Langer Rede kurzer Sinn:
Hier die Dörfer - ausnahmsweise sind diesmal alle Dörfer bekannt, ich glaube auch dass es nicht schwer ist:


Bild 1

Bild 2

Bild 3

Bild 4

Bild 5

Bild 6

Bild 7
Bild 8
Vielleicht können die Ortschaften ja doch anhand de4r Schulhäuser und ihrer Lage herausgefunden werden.
Also viel Spaß beim Raten...... im nächsten Monat kommt an dieser Stelle wieder schwere Kost.

Arbeitstitel: Kötzting vor 400 Jahren

Donnerstag, 26. Januar 2017

Der Kötztinger Spielmannszug Teil 2

von der Trommlergruppe hin zum großen Spielmannszug

Auch wenn wir uns hier in einem Zeitrahmen bewegen, an den sich einige Beteiligte noch gut erinnern können sollten, so gibt es offensichtlich doch unterschiedliche Erinnerungen und vor allem decken sich diese nicht mit den Unterlagen, die sich im Archiv und aus den Zeitungsberichten ergeben.

Sicherheitshalber hier noch der Link zum ersten Teil:

Eine kleine Notiz aus der Chronik der Feuerwehr Kötzting gibt zumindest einen Startpunkt bekannt, den sie selber damals festgelegt hatten, auch wenn der Sachverhalt damals ein anderer war, aber dazu später.
Zuerst einmal die Kurznotiz, so wie es die Kötztinger Feuerwehr bekannt gab und dann anschließend die ersten Einsätze der Fanfarenbläser:






Auftritt des Spielmannszuges bestehend aus der Trommler und der Fanfarengruppe
anlässlich der Heirat des damaligen Landrates Nemmer  in Altrandsberg
So einfach und schrittweise aufbauend stellt sich die Geschichte des Spielmannszuges dar, wenn man nur die eigene Vereinschronik der FFW Kötzting berücksichtigt....es gibt da aber noch eine andere Geschichte.
Doch zuerst einmal zurück zu der ursprünglichen Trommlergruppe. Schon kurz nach dem Krieg wurde eine solche wieder gegründet - immer wieder fällt in diesem Zusammenhang der Name Michael Irlbeck, ein musikbegeisterter Kötztinger, der obwohl er nach Viechtach umgezogen war, trotzdem hier vor Ort diese Trommlergruppe aufgebaut und geleitet hatte und auch an der Weiterentwicklung beteiligt war.







Zuerst aber gab es nun mal nur die Trommlergruppe, die für die richtige "Marschmusik" bei den unterschiedlichsten Aufzügen sorgen musste.
Ausschnitt aus der Chronik der Kötztinger Freiwilligen Feuerwehr aus dem Stadtarchiv
Spielmannszug noch als reine Trommlergruppe, wohl beim Bierzelteinzug, also nach/ab 1949 entstanden, der Trommler - vom Betrachter aus gesehen - vorne rechts ist Irlbeck Michael

Es wurde Sommer 1956 und die Pfadfinder in Kötzting feierten ihr 10 jähriges Stammesjubiläum. Wie bei allen "Vereinen" üblich, so schickten auch befreundete Verbände ihre Abordnungen und die Amberger Pfadis kamen mit ihrem Spielmannszug und mit dabei waren, unüberhörbar und unübersehbar: ein Fanfarenzug.
Hier nur ein paar Bilder von deren Auftreten in den Kötztinger Straßen, eine genauerer Bericht kann in dem Blog aus dem Jahre 2014 nachgelesen werden.

Amberger Fanfarenzug auf Besuch bei den Kötztinger Pfadfindern im Sommer 1956




















 
nicht zu überhören und nicht zu übersehen
 Nun war das Interesse geweckt, vor Allem bei Barth Georg und seinen Mannen bei der Feuerwehr.
Die Lösung war aber eigentlich sehr einfach, auch wenn in dieser Lösung dann schon kurze Zeit später dann doch einiges an Konfliktstoff steckte.
Es kam zu einem "Gemeinschaftsspielmannszug",  bestehend aus den Trommlern der Feuerwehr und aus Fanfarenbläsern gebildet sowohl aus Mitgliedern der Feuerwehr und von Pfadfindern und Mitgliedern des Burschen- und Wanderervereins.
Bitte um Zuschuss für die Felle der Trommlergruppe

Noch an Pfingsten 1956 bemühten sich die Verantwortlichen der Trommlergruppe darum, die stark abgenutzten Trommelfelle mithilfe der Stadt Kötzting auswechseln zu lassen, der Magistrat genehmigte einen Zuschuss und verband dies mit der Bitte den Trommlerzug der Feuerwehr Kötzting auch weiterhin bei den Pfingstfeierlichkeiten einsetzen zu können..





Das war die Situation im April 1956 und auch dann anlässlich der Pfingstfeierlichkeiten und dann kam der Sommer, die Fanfarenbläser von auswärts und dann ging es ganz schnell.
Fast zeitgleich gingen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Kötzting und der Kötztinger Pfadfinder daran sich Musikinstrumente zuzulegen und zu üben, dies aber offensichtlich nicht einzeln sondern durchaus in dem Sinne eine "Kötztinger Spielmannszuges" zuerst einmal gemeinsam, ja es wurden sogar Regeln vorgestellt, bei welchen Auftritten die Tücher auf den Fanfaren
das "Logo" der Feuerwehr und wann das der Pfadfinder zu sein hatte.





 In diesem kleinen Zeitungsausschnitt vom Sommer 1956 spricht der Kreisbrandinspektor Barth Josef selber von dem Wunsche der Feuerwehrler nach Fanfaren, nachdem Sie die Amberger Pfadfinder mehrmals in den Kötztinger Straßen gehört und gesehen hatten.

Kuglmeier Hans, Kötztinger "Altpfadfinder" mit seiner
Fanfare inkl. dem Tuch der Kötztinger Pfadfinder.












 Wie oben angeführt ging es recht schnell und schon Ende des Jahres spielte die Kötztinger Feuerwehr mit Trommlern und Fanfarenbläsern anlässlich der Hochzeit des Kötztinger Landrates Nemmer in Altrandsberg auf.
Hochzeitsspalier für Landrat Nemmer in Altrandsberg
Kötztinger Umschau April 1957

Noch im Sommer 1957 scheinen die beiden Gruppierungen an einem Strang zu ziehen, wie ein Brief der Pfadis Kötzting an den Stadtrat zeigt, in dem von den verschiedensten Aktivitäten der gemeinsamen Gruppierungen die Rede ist und auch von dem Wunsche, in Zukunft bei den Pfingstfeierlichkeiten eingesetzt zu werden.
Ausschnitt eines Briefes vom Stammesvorstand Brandl Wick an den Stadtrat in dem er die Mitwirkung des Kötztinger Spielmannszuges, vor allem des gemeinsamen Fanfarenzuges an der Spitze des Pfingstrittes vorschlägt.

das obige Angebot an den Stadtrat unterschrieben der damalige Kötztinger Kooperator Haltrich und der STAVO Ludwig Brandl. Zwischen den Zeilen kann man noch ein gutes Einvernehmen der beiden Gruppierungen herauslesen, aber schon im Jahr drauf scheint es gewaltig zu knirschen und auch hier haben wir nur die Argumentation der Pfadfinder, die sich in den Unterlagen finden. Diese wenden sich an den Bürgermeister Kroher, um ihm sowohl den Brief der Pfadfinder an die Feuerwehr in Kopie vorzulegen als auch um seine Vermittlung bei einigen Konfliktpunkten baten. Der damalige Stammesvorstand war Maimer Ferdinand.
Nun kann man zwischen den Zeilen sehr gut - und vor allem in den äußerst undiplomatischen Forderungen - herauslesen, dass es zwischen den beiden Trägern des bisherigen Spielmannszuges doch ziemlich knirschte. Nicht desto trotz kann man erkennen, dass noch 1958 Alles im Fluße war.
Hier ein paar Beispiele aus dem Schreiben der Pfadis an die Freiwillige Feuerwehr.


Ich denke aus heutiger Sicht kann man den Brief durchaus als ETWAS undiplomatisch nennen und nachdem in dem Begleitschreiben an den Bürgermeister Kroher von "nun aufgetretenen Schwierigkeiten" von Seiten der Feuerwehr die Rede ist, kann ich nur vermuten, dass die Feuerwehr Kötzting auf die Forderungen d er Pfadis nicht eingegangen ist, die Zusammenarbeit beendete und ab nun als Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Kötzting ihre eigenen Wege ging.
schaut man auf die Fanfarenbläser in der zweiten Reihe, so glaube ich Hans Kuglmeier und Maimer Ferdi zu erkennen, dies KÖNNTE damit ein Auftritt der noch vereinigten Fanfarengruppe sein. Bild stammt von Hans Traurig
Tambour: Theo Heigl
v.l. Franz „Stutz“ Traurig – Xaver Wellisch – Wack Traurig
hinten: Hans Kuglmeier – Ferdinand Maimer
ganz hinten rechts: SZ-Leiter Georg Barth


Bild von Haymo Richter: hier haben wir dann kurze Zeit später die reinrassige Fanfarengruppe des Spielmannszuges der Freiwilligen Feuerwehr Kötzting beim Einsatz in Miltach
Kötztinger Umschau November 1958 , Zuschuss nur noch für den Spielmannszug der FFW, die Pfadis sind draussen.

 Mit Sicherheit gingen die beiden Gruppen bereits 1959 ihre eigenen Wege, sicherlich aber wissen wir es von 1960, als die FFW Kötzting um einen größeren Zuschuss beim Stadtrat vorstellig wurde. Damit ist uns auch der erste Leiter des Spielmannszuges bekannt: Georg Barth
Antrag auf einen größeren Zuschuss, Stadtarchiv Kötzting Pfingsten 1960

Kötztinger Umschau 1959 im April


Nun war die Grundlage gelegt, zum Trommlerzug kamen die Fanfaren, die Lyra wurde angeschafft, eigentlich sollte der Zukunft nichts mehr im Wege stehen, aber die Zeiten änderten sich und es war irgendwann nicht mehr "cool" (auch wenn man damals dieses Wort natürlich nicht benutzt hatte) beim Spielmannszug mitzumarschieren (und zu Üben und Üben). 
1968



1972 die Verantwortlichen haben Motivationsprobleme bei den Mitgliedern ausgemacht



1973 die Verantwortlichen sind dennoch zuversichtlich
Barth Schorsch
Wellisch Xaver
Hier nun auch die einzelnen Leiter des Spielmannszuges:






















Wack Traurig

Hans Traurig, derzeitig Chef des Spielmannszuges

Und weiter in der Geschichte, ein - für die Teilnehmer - wohl unvergesslicher Besuch bei den Kameraden des Spielmannszuges der Hamburg-Bergedorfer, leider sind viele meiner DIAs von damals unauffindbar.

Es muss 1976 oder 1977 gewesen sein, eine Fahrt nach Hamburg-Bergedorf mit Bussen und PKW, mit der Kapelle Sound Sextett, dem Spielmannszug und vielen Kötztingern
Infostand auf dem Hamburger Ratshausplatz
 Die Kurverwaltung - damals wohl noch unter dem Namen Fremdenverkehrsverwaltung - hatte die Gelegenheit genutzt auf dem Hamburger Rathausplatz einen Infostand mit Bärwurzausgabe aufzustellen und dazu spielte dann auch der Spielmannszug damals noch mit dem "Heijterl" Karl als Tambourmajor. Was wir Alle nicht wussten war, dass an diesem Tag auf dem Rathausplatz eine Demonstration von ungefähr 2000 Motorradfahrern angemeldet war und so gingen wir ein wenig unter unter all den Bikern.

Natürlich durfte auch eine Hafenrundfahrt nicht fehlen - über den Rest schweigt der Berichterstatter, es war eine denkwürdige Reise zu den Hamburg Bergedorfer Freunden mit deren Spielmannszug


Rennfahrt zweier Barkassen im Hamburger Hafen





















Es ist ganz natürlich, dass die Entwicklung eines jeden Vereins Höhen und Tiefen durchmacht. Nach den Schwierigkeiten in den frühen 70er Jahren, die Mitglieder motivieren zu können, ging es dann aber mit der Entwicklung stetig aufwärts und so präsentiert sich der Spielmannszug mittlerer weile in einer imposanten Größe und Zuverlässigkeit und es erhöht alljährlich die Vorfreude auf Pfingsten, wenn man, manchmal schon Wochen vorher und nur leise im Hintergrund, im Markt die probenden Musikanten hören kann.

der Spielmannszug der Kötztinger Feuerwehr mit dem neuen Tambourmajor: Thomas Kybelksties




















 

Zum Ende nun noch ein paar Ausschnitte aus den Tageszeitungen zu diesem Thema:
Kötztinger Umschau Januar 1961
 Nimmt man diesen Blogeintrag als Ganzes, so sind es viele Köpfe und Hände, die zum Erfolg dieser Truppe beigetragen haben, trotzdem ist es vor Allem der Familienverband TRAURIG, der hier heraus sticht. 
Hier dazu noch ein Zeitungsbericht zu diesem Thema:

Und dann möchte ich nicht versäumen auch noch auf einen zweiten Spielmannszug der Feuerwehr im Bereich Kötzting hinzuweisen: der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Ansdorf: Auch die gab und so weit ich weiß gibt es noch.



 Am Ende noch ein Dank bzw. ein Hinweis auf die Herkunft der Bilder: von Ludwig Brandl stammen die Bilder der Pfadfinder. Von Hans Traurig habe ich die meisten der Spielmannszugbilder erhalten. Die Artikel stammen aus den Lokalausgaben der Kötztinger Umschau und der Kötztinger Zeitungen. Die Dokumente stammen alle aus dem Stadtarchiv Bad Kötzting.