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Donnerstag, 25. August 2016

Der Schi-Stra-Bus - ein Beruhigungspflaster für den Bayerischen Wald


Der Schi-Stra-Bus und die Zellertalbahn


Bild von Michael Bauer vom DGEG Museum in Westerwald Schi-Stra-Bus bei einer Museumsfahrt 2002
Kötztinger Umschau von 1955

Der Kampf um die Zellertalbahn reicht zurück bis weit in das 19. Jahrhundert, schon die erste Industrieansiedlung Kötztings im Regenstein durch den in Eschlkam geborenen Schriftsteller Maximilian Schmidt, genannt Waldschmidt, gründete auf der Phantasie, dass mit dieser Bahn der Rohstoff Holz und die Papier- und Pappe- Fertigprodukte preiswert zu den Kunden und Abnehmern gefahren werden könnten. Aus dem großen Projekt wurde ein Pleiteunternehmen, weil die Bayerwald Eisenbahn Linie nicht über Kötzting sondern über Viechtach und Teisnach hinaus nach Deggendorf und Plattling geführt worden war.
Viele Jahrzehnte später wurde dann Kötzting selber an das deutsche Eisenbahnnetz angeschlossen. Anschließend kam die Strecke Lam Kötzting-Zellertal zur Ausführung - vorerst noch ohne eine direkte Verbindung der beiden Teilstrecken, weil der damalige Kötztinger Bürgermeister Kollmeier die Abgabe des dazu notwendigen Wiesengrundes verweigerte. Diese Weigerung erbrachte als, eigentlich provisorisches, Ergebnis einen Kötztinger Nebenbahnhof, den Bahnhof Zellertal, so dass unser eigentlicher Bahnhof  - und im Internet bei Buchungen ist er auch so vermerkt- Kötzting Hauptbahnhof heißen müsste.

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts erfolgte dann der Lückenschluss über Miltach nach Straubing.
In den zwanziger Jahren kam dann wieder die Idee der Zellertalbahn auf und viele interessierte Kräfte versuchten diese Idee zu realisieren aber erneut war es die Waldbahn, die sich als Regentalbahn durchsetzte und den Streckenschluss von Viechtach nach Blaibach folglich realisieren konnte.

Bei vielen Entscheidungen gegen die Zellertalbahn waren es durchaus wirtschaftlich Gründe, die in den schweren Zeiten gegen den Bau sprachen  aber manchmal auch der nachgewiesene Einfluss der Regentalbahn in Viechtach der in München als Bremser wirkte.

Kötztinger Umschau Februar 1950
Dieser Einfluss wird vor allen dann ab 1949 deutlich, als diese Bahn von vielen Bürgermeistern (von Cham bis Zwiesel) und vor allem von den vielen tausenden Arbeitslosen als der große Heilbringer angesehen wurde.
















Kötztinger Umschau Dezember 1949, die Kräfte werden gebündelt







 Liest man die vielen Zeitungsberichte und die Protokolle der Politikerreisen aus den Jahren 1949 bis 1953 so ist der Ablauf ein beredtes Zeichen für unterschiedliche Einflussnahmen auf die verschiedenen Entscheidungsträger.





Ganz grob kann man sagen, dass, angeschoben zuerst vom Bundestagsabgeordneten Ludwig Volkholz, sich ein Zellertalbahnkomitee gegründet hatte, in welchem sich die Bürgermeister der interessierten Städte und Gemeinden zusammenschlossen (in der Zeitung heißt es: natürlich ohne Viechtach). Der Bundesverkehrsminister wurde eingeladen und befürwortete die Strecken, die Bundesbahn befürwortete die zellertalbahn ebenfalls, stellte aber klar, dass angesichts der leeren Kassen ein Neubau auf ihre Kosten nicht in Frage käme. München sollte nach der Vorstellung der Bundesbahn den Neubau finanzieren und dort wollte der Bundesverkehrsminister auch vorstellig werden. Aber bei der Abstimmung im Landtag in München berichtet die Presse nachträglich von einer entscheidenden Einflussnahme der Regentalbahn auf die Abgeordneten.

Also ganz grundsätzlich zwei Lager: die Zellertalanlieger und der Bund dafür, München, die Post mit ihrem Bussystem und Viechtach mit der Regentalbahn AG waren dagegen.













Wie das Kaninchen aus dem Zylinder zog nun die Deutsche Bundesbahn den Schi-Stra-Bus, den Schienen Straßen Bus hervor. Ein, heutzutage würde man sagen, Hybridantrieb ermöglichte es dem Fahrzeug sowohl auf der Schiene als auch auf der Landstraße im Zellertal zu fahren. Der Zug kam in Kötzting von Cham kommend an, wurde dort hydraulisch angehoben und von dem Drehkranz der Schienen herunter auf seine Räder gehoben. anschließend fuhr der Bus auf der - sehr maroden - Zellertalstraße bis nach Bodenmais, wo er wiederum auf die Schienen der Bundesbahn wechselte.

Im Detail war der Einsatz, lt Wikipedia auf der Strecke Passau Cham geregelt:

Einsatz

Passau–Cham

Die ersten drei Serienfahrzeuge wurden mit Beginn des Sommerfahrplans ab dem 8. Juni 1953 auf der Strecke von Passau nach Cham eingesetzt:
Von den 140,7 Kilometern Gesamtstrecke wurden somit 63,8 auf Schienen zurückgelegt. Für das Umsetzen von der Schiene auf die Straße und umgekehrt wurden jeweils zehn Minuten eingeplant. Zusätzlich erfolgte ein Fahrtrichtungswechsel im Bahnhof Zwiesel. Die gesamte Reisezeit betrug fünfeinhalb Stunden. Die Verbindung wurde einmal täglich angeboten. Weil es in Cham keine Unterstellmöglichkeit gab, verlängerte man sie später unter Nutzung der Bahnstrecke Schwandorf–Furth im Wald um 19,2 Kilometer bis Furth im Wald. Hierzu war ein weiterer Fahrtrichtungswechsel in Cham erforderlich.
Die Verbindung im Bayrischen Wald bestand bis zum Ende des Sommerfahrplans 1956 und wurde vor allem wegen der im Winter auftretenden Traktionsprobleme aufgegeben. Als einzige der Verbindungen mit dem Schienen-Straßen-Omnibus erhielt sie unter der Nummer 426h eine eigene Fahrplantabelle im Kursbuch der Deutschen Bundesbahn und war deshalb auch in der beiliegenden Karte mit einer besonderen Signatur eingezeichnet.

Lt den Berichten in der Kötztinger Umschau wurde allerdings zuerst einmal im Februar 1957 für ein paar wenige Tage der Betrieb eingestellt, im darauf folgenden Sommer allerdings tauscht das Fahrzeug nicht mehr auf.


Gesagt getan, mit großem Pomp wurde die Betriebsaufnahme in Kötzting und die erste Ankunft in Arnbruck gefeiert. Kurz zuvor war die Deutsche Post mit einem Einspruch gescheitert.

Kötztinger Umschau 1953


Kötztinger Umschau 1953

die Fahrplanmässige verbindung von Passau nach Cham beginnt, Kötztinger Umschau von 1953
 Hier und folgend einige Aufnahmen, die ich von unserem Schi-Stra-Bus aus einem Film des Bundesfilmarchivs als Standbilder herauskopiert habe:

Der Film beginnt in Cham, dann folgt die geschlossene Schranke in Chamerau mit dem Stocker Haus im Hintergrund und dann der Fahrwerkswechsel auf dem Kötztinger Bahnhof.















Ein großes Hindernis - oder zumindest eine große Schwierigkeit für das Fahrzeug - aber war der Zustand der Zellertalstraße - ein anderes Projekt, dass schon seit Jahrzehnten in der Schublade gelegen war -  der für den doch relativ großen Schi-Stra-Bus einige gefährliche Begegnungen mit anderen Kraftfahrzeugen brachte.
Noch 1957 zeigt ein Bild der Ausbesserungsarbeiten dieser Straße in welch katastrophalem Zustand der Straßenbelag war und es ist ein Wunder, dass die Bundesbahn sich auf dieses Experiment überhaupt einließ.

Zellertalstraße kurz vor Traidersdorf im Jahre 1957 - auf dieser Straße mußte der Schi-Stra-Bus täglich fahren....und das auch im Begegnungsverkehr mit diversen Lastwägen,was auch häufiger zu Unfällen führte..

Wie in Wikipedia nachzulesen, wurde der Betrieb des Schi-Stra-Busses nach Ablauf des Sommerfahrplanes 1956 eingestellt, weil es in den Wintermonaten auf den Straßen des Bayerischen Waldes unüberwindliche Schwierigkeiten gegeben hatte.


Laut dem Bericht in der Kötztinger Umschau aber wurde der Betrieb zumindest noch bis Februar 1957 fortgesetzt, dann erlaubte der Straßenzustand keine Weiterführung mehr und im Sommerfahrplan 1957 gab es dann keinen Schi-Stra-Bus in Kötzting mehr


Am Ende nun ein link auf den Film in Bundesarchiv, im Laufe der Wochenschau des Jahres 1953 taucht auch unser Schi-Stra-Bus auf, aber auch der Rest des Filmes ist interessant
Die Zeitungsauschnitte stammen alle von der Kötztinger Umschau, die in der UNI Bibliothek in Regensburg archiviert ist.

Dienstag, 26. Juli 2016

Der große Preis von Kötzting


 Es ist eine gleichbleibende Erinnerung aus meiner Kinderzeit, hat Viechtach etwas (Realschule, Stadterhebung, Schwimmbad u.ä.) dann muss Kötzting gleichziehen, man will ja nicht zurückfallen und vermutlich galt dies auch umgekehrt.

Die amerikanische Militärregierung veranstaltete im Rahmen der GYA (=German Youth Activities, einem Umerziehungsprogramm für die deutschen Kinder und Jugendlichen) in Viechtach ein Seifenkistl-Rennen, das zu den landesweiten Ausscheidungsrennen gehörte. Die Sieger fuhren dann in Regensburg einen Zwischenentscheid, der dann in einen Landesentscheid mündete, der in München ausgetragen werden sollte.

Auch wenn die Kötztinger Kinder nach Viechtach eingeladen waren und dort starten durften, kann es doch nicht sein dass   >>>>>>

Kötzting organisiert seinen eigenen "Großen Preis von Kötzting"
 
jetzt bekommt auch Kötzting seinen "Großen Preis"


das ist die Vorankündigung der Veranstaltung

das Rahmenprogramm des Seifenkistlrennens

 Dieses Rennen wird von amtlicher Seite sehr ernst genommen.
Im Archiv des Landratsamtes Kötzting im Staatsarchiv Landshut befindet sich noch das offizielle Rennheft, sozusagen der Flyer der Veranstaltung.


das offizielle Plakat

video
Aus der Hand von Siegfried Ehemann haben wir sogar einen Film von dieser Veranstaltung im Stadtarchiv, hier ein paar kurze Ausschnitte:
Dieser Filmausschnitt läuft vermutlich nicht auf einem Smartphone, auf dem PC gehts dann gut !!

Titelblatt des Rennprogramms

Teilnehmerliste

Programmablauf

diese Preise gab es zu gewinnen

Die Siegespreise konnte man schon vorher besichtigen.
Interessant ist hier, dass die jetztige "untere" Marktstrasse damals noch "oberer" Bahnhofstraße genannt worden war. Die Umbenennung und die Verteilung der heutigen Hausnummern erfolgte erst Jahre später.









und nun gings los:
Teilnehmerfeld, links vorne Erich Dattler



das Rennen

 die Siegerehrung:


video

Dieser Filmausschnitt läuft vermutlich nicht auf einem Smartphone, auf dem PC gehts dann gut !!

Dattler Erich, der zweite von links, wurde zweiter bei dem Rennen

 






Das war der "Große Preis von Kötzting" aus dem Jahre 1949


Dienstag, 5. Juli 2016

Eine Zeit und Forschungsreise an die Uni Regensburg: Ergebnis

letzte Woche hieß die Einleitung an dieser Stelle ja noch:

Schau mer mal, was dabei rauskommt.

Also, gestern Montag Nachmittag, Uni Bibliothek Regensburg, es warten zwei dicke Bände Zeitungen auf mich....und es waren die Richtigen!
Wenn man dann im Zusammenhang fast zwei komplette Jahrgänge durchliest, dann ist das wirklich ein klein wenig wie die oben angesprochene Zeitreise UND, Kötzting in der direkten Nachkriegszeit kämpfte mit Problemen und Parteiungen, die wir uns heutzutage gar nicht mehr vorstellen können. Flüchtlingspartei, Bayernpartei, welche sich aufspaltete, SPD, KPD, EInheimische gegen die Ansprüche der Flüchtlinge, Militärregierung und und und

Viele dieser Themen werde ich vermutlich in den nächsten Jahren aufgreifen und können hier nur als "Überschriften" und Beispiele dienen.

Ein Ergebnis gleich vorweg: In den Ausgaben der Kötztinger Umschau gab es damals auch eine Rubrik  "Aus den Nachbarlandkreisen". Dies lässt mich hoffen, dass in den Ausgaben der Mittelbayerischen Zeitung vor Juli 1948 (die Reihe B für den bayerischen Wald, welche später im Bayerwald Echo aufgegangen ist) diese Rubrik auch bereits bestanden hatte und daher es vielleicht sogar möglich ist bis in den Sommer 1947 vorzudringen - am Donnerstag weiß ich mehr.

der damalige Kötztinger Landrat  Scholz begrüßt die
Kötztinger Umschau
Das Hauptziel war es ja den großen Änderungen beim Pfingstfest 1949 nachzuspüren und wirklich, obwohl – dies ist ein Merkmal aller Zeitungen, welche sich mit Kötzting befassen, dass es herausgerissene Seiten um den Pfingstzeitraum herum gibt -  auch hier eine Seite deutlich sichtbar entfernt wurde, kann man die Gremien, die damit befaßt waren und die Diskussionen um diese Änderungen und Neuerungen recht gut nachlesen.
Hier nur kurz ein paar Beispiele aus dem turbulenten Zeitraum Sommer 1948 bis Sommer 1949
Die einzelnen Themen kann ich dann im Laufe der Jahre aufgreifen und den Bereich Pfingsten hebe ich mir für den passenden Zeitraum auf.


die großen Probleme der damaligen Flüchtlinge auch 3 Jahre nach dem Krieg führten zu der Bildung einer Notgemeinschaft und im Jahre 1949 zu einer großen Demonstration






















so schauts aus in den Zeitungsarchiven, wenn sich jemand in der Vergangenheit Beiträge über den Pfingstritt sichern wollte, ein Riesenärgernis, so geht dann Wissen für immer verloren.



dies hier ist ein Bericht, der ein Ereignis beschreibt, das ein Jahr vor der  Jedermann Aufführung der Kötztinger Pfadfinder stattfand  und auch ein ähnliches Sittenbild beschreibt. Offensichtlich gab es mehrere Theateraufführungen vor der St. Anna Kapelle.
fast im Halbjahresrhythmus erhielt Kötzting einen neuen Direktor der Militärregierung.
Natürlich mußte der Burschen und Wandererverein auch
zu den Änderungens des Pfingstfestes befragt werden.




















Schulsituation in Kötzting 1949




die Meistermannschaft des 1. FC Kötzting Juli 1949, lange its her, aber die Namen klingen heute noch.


der "Große Preis von Kötzting" wurde auf der Ostmarkstraße bei Oberndorf ausgefahren.
Von diesem Rennen existiert ein kurzer Filmausschnitt. Darüberhinaus habe ich inzwischen so viel Material darüber, dass es für einen eigenen Beitrag reichen wird,
Dies Alles hier nur ein kleines Kaleidoskop aus den ca. 200 Kopien, die ich gestern machen konnte.

Eine Kleinigkeit am Rande, an diesen "Ausstopfer", Tierpräparator Wolfgang Karl  in Haus erinnere ich mich noch persönlich, weil dieser meinem Vater - so ca. 1962 in Haus bei der "Moama Linerl" eine "Steing" mit zwei lebenden Goldhamstern gebracht hat. "Schau her Beck" hot er gsagt, "und de soll I eitz umbringa"..... So sind wir zu unseren ersten Goldhamstern gekommen, neben den Hasen, dem Gockel im Kinderzimmer, den Mäusen im Einmachglas, all den Kanarienvögeln und Wellensittichen, den Katzen, den Papageien, den vielen Vögeln in den Volieren, den Tauben, den Enten und Gänsen, den Pferden und den Ziegen, den Eichhörnchen und den Sperbern, Elstern, Igeln unter der Futtertruhe.... und und und
Und so schließt sich der Kreis beim Lesen alter Zeitungen.





















das war der neueste Schrei des Roten Kreuzes in Kötzting, der Krankentransportwagen auf der Basis eines VW Käfers.




Dienstag, 28. Juni 2016

EIne Zeit- und Forschungsreise an die UNI Regensburg

Mal schauen, was dabei herauskommt ......


Diesesmal geht es in meinem Blogeintrag nicht darum, ob etwas "neues" Altes gefunden worden ist sondern ich möchte von einer zukünftigen Forschungsfahrt berichten bei der ich versuche Materialien zu Ereignissen zu finden, von denen ich bisher nur einige Hinweise erhalten habe.
Ich schreibe nun also bevor ich überhaupt weiß ob ich das Gesuchte auch finden werde,  um einmal den Weg aufzeigen, wie manche Forschungsergebnisse zustande kommen bzw. wo und wie solch ein Weg beginnt, der dann (hoffentlich auch diesmal) zu dem gewünschten Ergebnis führt.

Also dann mal los mit der Vorgeschichte. Pfingsten in Kötzting, das heißt in manchen Fällen ein Suchen einer Stecknadel im Heuhaufen, weil die Ordner und Archivschachteln zu diesem Thema viele, viele Regalmeter füllen. Manche, bzw. durchaus die allermeisten Dokumente und Akten sind nach Jahren geordnet, es gibt aber auch viele Mischbestände zum Thema Pfingsten und Pfingstritt in Kötzting, die ich nun beginne systematisch aufzudröseln und die Inhalte ebenfalls auf die dazugehörigen Jahresbestände zu verteilen. Gleichzeitig werden diese Inhalte im Computer verstichwortet, um zukünftig auf einen Blick zu erkennen ob für ein bestimmtes Stichwort Material vorhanden ist.
Programm des Kötztinger Volksfestes von 1926 

Soweit so gut, jedenfalls kam vor zwei Wochen die Anfrage von Sepp Barth - in unserer Stadtverwaltung auch zuständig für alle Pfingstangelegenheiten - nach einigen statistischen Kennzahlen der vergangenen Volksfeste. (Wirte - Brauereien - die Entwicklung der Vergabepreise, der Bierpreis). Im Rahmen des Gesprächs über diese Volkfestfragen kam dann die Rückfrage nach einem Jubiläum für dieses Volksfest, so mit einem ungefähren Arbeitstitel : 
1949 - 2019 
70 Jahre Pfingstvolksfest in Kötzting

>>>>>> Also ab in den Keller und den 1949er Pfingstakt hochgeholt:

Fehlanzeige

Der ganze Akt bestand im Wesentlichen aus dem auch in diesem Jahre erstmalig aufgeführten Festspiel "Pfingstrittehr" von Eugen Hubrich und aus vielen interessanten Briefen mit dem Schriftsteller, der zum Zeitpunkt der Premiere noch mit den Einschränkungen seines Spruchkammerverfahrens zu kämpfen hatte und, auch dies geht in vielen Details aus dem Schriftwechsel hervor, große Hoffnungen auf die im Herbst stattfindende Berufungsverhandlung bei der Straubinger Spruchkammer setzte.

>>>>>>>>Also ab in den Keller, 1949 Schachtel aufgeräumt und die 1950er Pfingstakte hochgeholt.

Dort, in den 1950er Unterlagen, waren nun ein paar wenige Hinweise auf das erste Kötztinger Pfingstvolksfest im Jahre 1949 zu finden. Diese teilweise Durchmischung der Bestände ist übrigens die  Ursache für mein oben angesprochenes Vorhaben, die Pfingstakten sauber chronologisch zu sortieren.
Der Grund für die unsaubere Trennung ist sehr leicht zu erklären: immer VOR Pfingsten, wenn sich das Komitee und die anderen Pfingstakteure treffen, wird zuerst einmal die Pflichtenliste und die Erfahrungswerte aus dem VORJAHR zu Rate gezogen, das alte Programm des Vorjahres, das Organigramm usw. des Vorjahres benutzt und dann eben in den Akten des neuen Pfingstjahres abgelegt. Viele Aufrufe an die Bevölkerung, an die Pfingstreiter, an die Vereinsvertreter, an die Feuerwehr und das Rote Kreuz sind über die Jahrzehnte gleichlautend und es ist sehr wichtig nichts und niemanden dabei zu übersehen.
Nun war in den 1950er Akten auch ein Redemanuskript, vermutlich des damaligen Bürgermeisters Kroher überliefert, in dem er die Erfahrungen der 1949er erstmals durchgeführten Änderungen im Ablauf der Pfingstfeierlichkeiten ansprach.
Zur Erinnerung: um das Volksfest auf dem Bleichanger über die Pfingstferitage errichten zu können, war es nötig die Ansprache des Kooperators, die Kranzlübergabe und die Auszeichnungen der Pfingstreiter vom Bleichanger wegzuverlegen, in diesem Falle auf den Marktplatz, zugleich wurden in diesem Jahr auch erstmals der Brautzug und der Burschenzug vereint.
Noch in dem Pfingstfilm von Siegfried Ehemann vom Pfingstgeschehen 1948 sieht man den Brautzug alleine über den leeren Bleichanger auf die Turnhalle zumarschieren.

video
In dem Film, ungefähr bei Sekunde 11, sieht man ganz kurz die Spitze des Burschenzugs, der auf den Bleichanger marschiert, anschließend schwenkt die Kamera auf den leeren Platz vor der Turnhalle, wo eben 1948 noch kein Volksfest aufgebaut ist.




So, nun zurück zu dem Bericht des Bürgermeisters:
Rückschau Pfingsten 1949 und Lehren für 1950 von Bgm Kroher

Dort schreibt bzw, es ist ja eine Redemanuskript, spricht der Bürgermeister von einer "recht lebhaft verlaufenden" Bürgerversammlung vom 26.3.1949. Später dann von einer "umstrittenen Veranstaltung auf dem Bleichanger und der Kranzlverleihung an der Veitskirche". Offensichtlich waren alle diese Neuerungen nur gegen den Widerstand von Teilen der Bevölkerung möglich. Berücksichtigt man wie WENIG insgesamt in den letzten Jahrzehnten/Jahrhunderten  am Ablauf des Pfingstrittes geändert worden ist - eigentlich ist nur zu Anfang des Jahrhunderts der Startzeitpunkt von 7.30 auf 8.00 verlegt worden um den Erfordernissen des Zugfahrplanes gerecht zu werden - dann kommt diese Änderung des Jahres 1949 fast einer Revolution gleich.

In der Rede erwähnt der Bürgermeister, dass nun schon fast 25 Jahre vergangen waren seit dem letzten Kötztinger Volksfest. 1926 hatte es ein solches gegeben, damals aber immer im August, meist im Zusammenhang mit landwirtschaftlichen Bezirksfesten.
Einladung zum Volksfest 1926, des letzten Kötztinger Volksfestes bis zum Jahre 1949

Auszug aus der rede des Bürgermeisters Kroher zur Vorbreitung auf Pfingsten 1950

Zurück zur erwähnten Bürgerversammlung und das ist nun der springende Punkt, solch eine Bürgerversammlung MUSS doch einen Niederschlag in der Presse gefunden haben. Also Kontaktaufnahme mit Alfred Silberbauer, der zZ. im Zeitungsarchiv der Kötztinger Zeitung recherchiert: >>>>> Fehlanzeige, die Verlegerfamilie des Straubinger Tagblattes bekam ihre Lizenz erst im Herbst 1949. Also OPAC, das Onlinefindbuch der bayerischen Universitäten: Suche Nach der Kötztinger Umschau:


Mist, steigt erst Juli 1949 ein.

Eigentlich wollte ich schon aufgeben, aber die Neugier, was sonst noch unter dem Stichwort Kötztinger Umschau in der UNI Regensburg auftaucht.



Selbes Stichwort, weiter unten, wieder Kötztinger Umschau,

diesmal eine Ausgabe H >>>  UND


Laufzeit September 1948 bis Juli 1949.
Bingo, dort sollte alles zu finden sein, wenn, ja wenn sich nicht wieder mal schon jemand in der Vergangenheit bedient hat. Im Zeitungsarchiv im Kötztinger Stadtarchiv sind gerade bei den älteren Jahrgängen viele Lücken - verdächtig um die Pfingstzeit - zu finden.

Also nächster Schritt, Kontaktaufnahme zuerst mit der Staatlichen Bibliothek in Regensburg - die liegt nur 100 m neben einem Parkhaus: klappt nicht, die Zeitungen können nur in der Uni eingesehen werden und liegen in einem entfernten Depot, also dringend vorher schriftlich und mündlich bestellen.
Also nächster Schritt Anruf in der zentralen Infostelle im Zentralgebäude der UNI Regensburg, die Signatur hatte ich ja schon und wenige Tage später kam dann die Mail:


Sehr geehrter Herr Pongratz,

die von Ihnen gewünschte  Zeitung

Kötztinger Umschau , Reihe H von Sept. 1948 bis Juli 1949 (2 Bände)

ist bei uns vorhanden und kann im Infozentrum der Zentralbibliothek eingesehen werden.
Bitte teilen Sie mir rechtzeitig mit, wann Sie in die Bibliothek kommen möchten. Die Bände werden dann
aus dem Magazin geholt.

Mit freundlichen Grüßen

So, und nun gehts am Montag nachmittag in die BIB der UNI Regensburg und hoffentlich finde ich dort, was ich suche nämlich:  Eindrücke und Berichte über die Änderungen beim Pfingstfest, über das neue Volksfest, das Pfingstfestspiel und die Meinungen der Kötztinger zu all den Änderungen.

Der Wunsch des Bürgermeisters, das Volksfest über den Dienstag hinaus zu verlängern, wurde jedenfalls bereits 1950 Wirklichkeit und seitdem haben wir nun alljährlich das Kötztinger Pfingstvolksfest über die gesamte Woche hinweg.

Ich denke, dass ich noch im Laufe des Julis diesen Blogeintrag um die Ergebnisse erweitern kann, nun also zum ersten mal der Bericht, welcher  VOR dem Ergebnis einsetzt.

leider leicht angeschnittenes Exemplar des Pfingstprogrammes von 1949

Übrigens, um zu der ganz oben angesprochenen Ausgangsfrage zu kommen: das 1949er Volksfest hatte als Brauerei die Kötztinger Kommunbrauer und zusätzlich eine Weinhalle.
interessant ist hier, dass bei dem detaillierten Pfingstprogramm 1949 das Volksfest nur als kleine Fußnote am Ende erwähnt wird.



Antrag eines Chamer Eishändlers in Kötzting eine kleine "Speiseeishalle" errichten zu dürfen, der Antrag wurde zugunsten der Kötztinger Händler dann abgelehnt.