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Freitag, 28. April 2017

Eine Mischung schöner Bilder

So schnell vergeht die Zeit, bereits zum Dezemberblog 1913 habe ich die Geschichte erzählt, wie wir zu den Aquarellen und Schwarzweißbildern Heilmeiers gekommen sind, der um 1900 in Kötzting arbeitete und dessen Vater ihn in dieser Zeit öfters besuchte und bei dieser Gelegenheit seinem Hobby zu malen und zu fotografieren nachging.
Der Weihnachtsblog 1913

Einige Ereignisse in dieser Woche haben mich wieder drauf gebracht, dass ich eh ein paar der Aquarelle vorstellen wollte und so gehts los.

Der Tod unseres Mitbürgers Karl Amberger - der Moakmillner Karl - hat mich daran erinnert, dass ich als Hintergrundbild dieses Blogs immer ein Aquarell des Marktmühlenfalls benutze. Dieses Bild ist durch die Blogbeiträge immer weitgehend verdeckt und damit unsichtbar.
der Fall bei der Marktmühle in der Ansicht von Matthias Heilmeier gemalt ca um 1900
Dieser Wasserfall musste noch um die Jahrhundertwende jedesmal abgesenkt werden, wenn vom den Arberwäldern herab die Flößer mit ihren Blöchern ankamen. Der Lohn für diese Mühe - die Müller waren zu dieser Arbeit aber verpflichtet - bestand idR aus einem Bloch, das sich der Müller dann aus der Menge der angeschwemmten Hölzer herausziehen durfte. Oberhalb des Wehres befand sich bis hinein in die 70er Jahre der Zusammenfluss mit dem Dampfbach, der vorher noch den "Baumweiher" des Marktmüllers speiste. Von daher stammt auch der Name "Ambergerinsel"  weil diese Wiese somit damals komplett von Wasser umspielt war.
Das Wehr stellte auch seit Jahrhunderten - und dies gilt auch heute noch - eine Fischereigrenze dar. Von Pulling herauf bis zum Wehr und vom Wehr aufwärts bis nach Hohenwarth. Früher in Besitz der Hofmarken Blaibach bzw. Hohenwarth, heutzutage in Privatbesitz bzw. beim Fischereiverein.
Ganz rechts das Gebäude im Hintergrund am Flussufer dürfte die Kegelbahn beim Kollmeierkeller gewesen sein, weiter links anschließen, mit dem dunklen Dach, vermutlich die Kommunbrauerei..

Damit ist das Stichwort "Pulling" gefallen. Bevor wir das Rätsel der Herkunft der Aquarelle lösen konnten, stellten wir alle Möglichen Vermutungen an, weil sich einige Bilder mit der Eisenbahn beschäftigten. Eisenbahn UND 1900, das könnte auf einen Ingenieur hinweisen, der sich um das bzw. um neue Strecken kümmern sollte.....knapp daneben, wie sich später herausstellen sollte.
Auf jeden Fall ist dieses Bild von Pulling, es gibt mehrere aus dieser Ecke, etwas ganz besonderes.
ich hab dieses Bild nicht nach bearbeitet, damit man den Zusammenhang sieht, die Bildchen sind in etwa in einem Postkartenformat und sind in kleinen Heften gebunden. Man beachte die Dampfeisenbahn im Hintergrund.


Weiter regenabwärts, nach Miltach,
Vor ein paar Tagen habe ich die, auch für mich überraschende, Auflösung über den Inhalt der SW Bilder veröffentlicht und dabei war auch eine bisher unbekannte Straßenbauaufnahme beim Ortseingang in Miltach mit dem damals noch vorhandenen Schlosstor.
Dieses Tor findet sich auch auf den Bildern Heilmeiers
hier das Schloss- bzw. das Ortseingangstor Miltachs von der anderen Seite, auch hier wieder in der Albumsansicht
Viele seiner Aquarelle finden sich sowohl in einer Bleistiftskizzenansicht als auch - wohl später - in Form eines ausgearbeiteten Aquarells. Manche haben wir allerdings nur als Bleistiftskizzen, wie diese Gesamtansicht des Miltacher Schlosses von der anderen Regenseite aus. Interessant für mich ist, dass er wie selbstverständlich die Eisenbahn in Pulling, hier ein Floss ins Geschehen mit eingebaut hatte. Das Schlosstor ist aus dieser Perspektive durch die Häuser und Bäume am Flussufer verdeckt.

Bei meinem Besuch im Staatsarchiv letzter Woche habe ich in den Verhörsprotokollen des Pfleggerichts Kötzting von 1747 die Verhandlung zweier Raufereien gefunden - und da schließt sich der Kreis wieder mit dem eingangs erwähnten Marktmüller.
Einer der "handelnden" Personen war der damalige Marktmüller Stephan Irlbacher, der Stephan Irlbacher, der am 1.7.1774 die Marktmühle dann an Johann Michael Amberger, Bauerssohn aus Thenried verkauft hatte und zwar inkl. des Marktlehens und einer Wiese auf dem Schussanger.
Dieser "Schussanger", gelegen auf der gegenüberliegenden Regenseite und selbst wieder abgetrennt durch Werkskanäle vom, erst heutzutage so genannten, Spitalplatz, stellt den Übungsplatz für die Kötztinger Schützen dar.

Staatsarchiv Landshut Pfleggericht Kötzting P 45 Verhörsprotokoll von 1747 Vergleich nach einem "trockenen" Haargeräuf zwischen dem Marktmüller Irlbacher und dem Bürgerssohn Christoph Kollmeier, einem Nachbarschaft.

 Gleich anschließend, und deswegen komme ich auf Bachmeierholz, wurde eine Rauferei verhandelt zwischen dem ledigen Bürgers- und Bäckerssohn Kaspar Lährnbecher und Franz Seiderer. Letzerer habe sich unterstanden, den Kläger, als dieser "die neue Wahlfahrt, in dem sogenannten Pachmayr Hölzl besuchen wollen", uf offenem Weg nit nur allein beim Haaren zu rauffen, sondern auch mit der flachen Hand ins Angesicht zu schlagen.
Diese, an und für sich, Kleinigkeit ist ein schöner Beleg für die einsetzende Wallfahrtstätigkeiten, nachdem das Gnadenbild erst im Oktober 1746 in die neu errichtete Kapelle eingeführt worden war. (Siehe Max Heitzer Böhmische Gnadenbilder der schmerzhaften Mutter in Bachmeierholz und Kolmstein in Band 1 der Beiträge zur Geschichte im Landkreis Cham Seite 94 ff



Die Wallfahrtskirche Bachmeierholz in dem Aquarell nach einer Bleistiftskizze von Matthias Heilmeier
Am Ende noch einmal das Bild, das der Künstler von sich selbst gemalt hatte:

Regierungsbaurat Mathias Heilmeier aus Rosenheim Vater des Kötztinger Geodäten Franz Heilmeier
Die rechte an den Bildern liegen beim Landkreis Cham, hier in Form des Museums Walderbach, wo die Bilder seit dem Ankauf durch den Landkreis ihre neue Heimat gefunden haben.

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