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Freitag, 22. Dezember 2017

Kötzting vor 110 Jahren

  die Jahreschronik von 1908

 

Kötztinger Anzeiger Titel vom 1.1.1908
(Bayerische Staatsbibliothek München, 4Eph.pol.3cel 1900 ff im folgenden KA genannt)



im Wesentlichen folge ich dem jeweiligen Jahresablauf anhand der Veröffentlichung des Kötztinger Anzeigers, der fast vollständig in der Bayerischen Staatsbibliothek in München vorhanden ist. Ergänzend hinzu kommen dann noch Archivalien aus dem Stadtarchiv, die einen besonderen Schwerpunkt im jeweiligen Jahr haben ergänzt durch manche amtliche Veröffentlichungen in den Bezirksamtsblättern. Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch auf die gute und schnelle Zusammenarbeit mit dem Bilderteam unseres Arbeitskreises verweisen. Frau Kretschmer und Frau Rabl-Dachs stehen mir immer mit ihrer Bildauswahl zur Seite.
Eine zweite schriftliche Quelle ist das sogenannte Bezirksamtsblatt, eine in Jahrgängen gebundene Reihe an amtlichen Verlautbarungen, Veröffentlichungen und Ankündigungen, im Stadtarchiv durchgängig vorhanden seit 1865. 
Stadtarchiv Bad Kötzting Titelblatt des Bezirksamtsblattes, ein Pflichtbelegexemplar einer jeden Gemeinde im Bezirksamt/Landkreis Kötzting
Eine dritte Quelle, autobiographisch und daher manchmal vielleicht nur mit Vorsicht zu genießen ist eine "Sammlung von Kötztinger Klein- und Kurzgeschichten" aus der Feder von Conrad Krämer dA.  manches darin ist für die heutige Zeit vollkommen "politisch unkorrekt" manches lustig, manches skuril aber manches durchaus interessant. Wo es also paßt, werde ich kleine Passagen aus dieser ungebundenen Manuskriptsammlung miteinfügen
Deckblatt des ungebundenen Manuskripts des Ostmarkonkels




untere Marktstraße, damals noch Bahnhofstraße genannt,  in Kötzting aus dem Zeitraum ungefähr  1908-1910, Repro Archiv Arbeitskreis Heimatforschung

Kötzting im Jahre 1908

Im Königreich Bayern (mit den linksrheinischen Gebieten der Pfalz) entstanden durch die Verwaltungsreformen von Graf Montgelas 1802 die Landgerichtsbezirke. Sie waren zuständig sowohl für Verwaltung und Rechtsprechung. 1862 wurden Verwaltung und Rechtsprechung getrennt, es kam zur Gründung von, der Verwaltung dienenden, Bezirksämtern, die unter der Leitung eines Bezirkshauptmanns standen und verwaltungstechnisch oft auch mehrere Landgerichtsbezirke umfassten. Am 1.1.1939 wurden die Bezirke in Landkreise und die Bezirksämter in Landratsämter umbenannt – doch zurück ins Jahr 1908:

Ludwig von Fuchs
1903-1912 Bezirksamtmann in Kötzting

Ludwig von Fuchs, der im Jahre 1903 als Nachfolger des Bezirksamtmannes von Koerbling nach Kötzting gekommen war, konnte auf einen bekannten, ja berühmten, Vorfahr zurückblicken. Sein Großvater war Johann Nepomuk Fuchs. An dessen Geburtshaus in Mattenzell bei Falkenstein ließ der berühmte Münchener Professor von Pettenkofer 1897 auf einer Gedenktafel folgende Inschrift festhalten:
„Geboren in diesem Hause am 15. Mai 1774 Johann Nep. von Fuchs, Mineralog und Chemiker, Erfinder des Wasserglases und der Stereochromie, Begründer der Herstellung des hydraulischen Kalkes und verschiedener hydraulischer Zemente, Universitätsprofessor, Mitglied der Akademie der Wissenschaften, Oberberg- und Salinenrat, Geheimer Rat, Ritter des Maximilianordens für Kunst und Wissenschaft und anderer hoher Orden. Gestoben zu München am 5.März 1856.
Professor von Fuchs begann seine wissenschaftliche Tätigkeit 1807 an der Universität in Landshut, zu einer Zeit, als Johann Michael Sailer, späterer Regensburger Bischof, Rektor der Universität war  und wechselte, als der Sitz der Hochschule verlegt wurde, mit dieser nach München. … Herr Bezirksamtmann Ludwig v. Fuchs verehrt in dem gefeierten Professor von Fuchs seinen Großvater.“[1]
Neujahrsanzeigen 1908


Es wird in der Zusammenstellung dieses Jahresverlaufs deutlich werden an wie vielen Stellen, Vereinen und bei wie vielen Gelegenheiten der Bezirksamtmann tätig wurde um die Gesundheit, die Bildung und die Wirtschaft seiner ihm anvertrauten Bürger zu befördern.
Am 4.10.1912 wurde in Kötzting der Nachfolger Bezirksamtmann Keim in sein Amt eingeführt, Ludwig von Fuchs wechselte ans Bezirksamt von Landau a.d.I, wo er am   20.1.1915 überraschend an einem Gehirnschlag verstarb. Er hinterließ seine Frau Lina mit dem Töchterchen Gabriele.[2]
Diese Zusammenstellung ist einem Artikel Kooperator Riederers entnommen, der seit 1909 in Kötzting wirkte und vor allem in dem für Kötzting geschichtsträchtigen Frühsommer vor dem Jubiläumsritt fast täglich geschichtliche Kolumnen in der Zeitung veröffentlichte.
So schrieb er unter anderem über die Hofmark Reitenstein, den Freiherrn von Goehring, den Freisitz Haus und die Hofmark Grafenwiesen, über Watzlhof, Kammern und Schönbuchen. Er erforschte die Geschichte von Steinbühl, erzählte von Bärenjägern und berichtete von berühmten Kötztingern wie Graf von Armansperg, Benedikt Stattler und Professor Denk und eben auch Johann Nepomuk von Fuchs. Auch Untersuchungen über die Einwohnerentwicklung Kötztings und der umliegende Dörfer stellte an. In Kötzting sammelte er die Daten der Pfleger und Bezirksamtsmänner, stellte die Listen das Pfarrer und Kooperatoren seit 1803 auf und begann Familienforschung zu betreiben. So erstellte er eine vollständige Genealogie der Familie Passauer-Kollmaier und berichtete über die anderen alten Kötztinger Familiennamen






Eisstockschützen contra Eislaufverein contra Kötztinger Brauer und Metzger

oder Tradition gegen Moderne


Im Winter gabs offensichtlich Stress im Markte Kötzting, in den Zeiten vor der Erfindung bzw. flächenmäßigen Durchsetzung des Kühl- und Gefrierschranks waren die Brauer, Wirte und Metzger darauf angewiesen die Frostperioden zu nutzen und großflächig aus dem Regenfluss Eisblöcke zu schneiden, abzutransportieren und in den sogenannten Sommerkellern, tief drinnen im Boden einzulagern. Die in den Sommerkellner lagernden Bierfässer wurden schlichtweg mit Eis zugedeckt.

Eisentnahme im Winter am Regen - hier an der Eisenbahnbrücke in den 30er Jahren. Bild aus dem Bestand der Kreisfilmbildstelle Kötzting und daher sicherlich vom Hauptlehrer Josef Bock "geschossen"
Zur leichteren Beschickung der Keller führen lange Schächte von der Oberfläche hinunter in die Lagerräume. Wenn man sich aus der eigenen Kindheit daran erinnert, wie leicht und gerne sich Stockschützen und Eisläufer in die Quere kamen, kann man sich gut vorstellen wie erfreut die "Sportler" damals waren wenn sie zusehen mussten wie ihre Eisflächen zersägt und abtransportiert wurde.
Es ging wohl in Kötzting nicht ganz stressfrei ins Neue Jahr 1908
 Kötzting 8.1.1908
Eislaufverein Kötzting e.V.
an das k(önigliche) Bezirksamt (später umbenannt in Landratsamt)
Betr.: Einräumung eines Benutzungsrechtes:
nachdem heuer die Eisfläche des Regenflusse zwischen Hammermühlwehr und Eisenbahnbrücke kaum mehr für den Eissportverein benutzbar werden wird und die Bräuer und Metzger ihr Eis dem Flusse schon so ziemlich entnommen haben, ziehe ich den kürzlich gestellten Antrag zur Benutzung dieser Fläche für den Eissportverein zurück.
Dagegen stelle ich den Antrag dem Verein das ausschließliche Benutzungsrecht der Eisfläche des Regenflusses auf einer 200 m langen


Strecke von dem oberhalb Kötzting gelegenen Hedwigfalle aufwärts für den Winter einzuräumen und zwar sobald als möglich damit nicht das dort vorhandene Eis wieder durch Dritte verdorben wird. Nachdem an dieser Fläche Rechte Dritter überhaupt nicht in Betracht kommen hoffe ich, dass dem baldigen Erlasse der Verfügung nichts im Wege steht.


1907,1908 und 1908 erhielt der Eislaufverein seine Zuweisungen, aber wohl nicht alle hielten sich daran Stadtarchiv Kötzting 521-1
Die Hutwöhr oder der Hedwigsfall ist die Wehranlage, die hinter der Turnhalle das spätere Kötztinger Freibad aufstaute.
der Hedwigsfall des Kötztinger Schwimmbads, Bild Pongratz von 1975

Flussverlauf oberhalb des früheren Schwimmbades vor der großen Flussschleife des "Gänskragens", Bild  Pongratz von 1975





Stadtarchiv Kötzting 521-1

Nachdem sich die Eisfläche im unteren Bereich des Weißen Regens sich offensichtlich doch wieder einigermaßen regeneriert hatte, kam es dann doch noch einmal zu einem Antrag, sich diese innerhalb des Marktes liegende Fläche sichern zu lassen:

Ende Januar 1908 jedenfalls stellte der Eissportverein erneut einen den Antrag - mit Plan - den Weissen Regen in Bereiche aufzuteilen, die den jeweiligen Interessen dienen sollten.




der Kötztinger Baumeister Windisch erstellte diesen Plan, um die Wünsche des Eislaufsportvereins zu dokumentieren. Staatsarchiv Landshut BZA/LRA Kötzting Rep 164-8 Nr. 224
Es war wohl, wie man heutzutage flapsig sagt: zuerst einmal ein Satz mit "X", wie man dem nebenstehenden Dokument entnehmen kann, gerichtet an den Bezirksamtmann, dem oben angesprochenen Herrn von Fuchs. Betreff Eislauf auf dem Regenflusse:
24.1.1908:
Namens des Vereins danke ich dem Herrn Amtsvorstande verbindlichst für seine erfolgreichen Bemühungen zur Beilegung der bestehenden Dissidien und persönlich für die Zurechtweisung des Polizeidieners Meidinger. Ich hoffe, dass nunmehr wieder ein friedliches und einträchtiges Zusammenleben zwischen Beamten und Bürgerschaft in Kötzting möglich sein wird nachdem die Eisschützen ihr Un-

















recht eingesehen haben. Mit dem Herrn  Bauamtsassessor aus Deggendorf habe ich gestern vereinbart, dass sich der Eissportverein mit der linken Hälfte der Eisfläche des Regenflusses zwischen dem Hammermühlwehr und der Eisenbahnbrücke begnügen wird.
Mit Rücksicht auf diese beschränkte Eisfläche ersuche ich aber gemäß Art. 26 Abs. I des Wassergesetzes mit §5 der Vollzugsvorschriften hierzu baldmöglichst polizeiliche Vorschrift dahin zu erlassen, dass das betreten dieser Eisfläche nur den Mitgliedern des Eislaufvereins und deren Familienangehörigen gestattet ist.
Andernfalls wird nämlich insbesondere an Sonntagen der Platz von Kindern derart überlaufen, dass die Ausübung des Sportes unmöglich ist und das

Eis ruiniert wird.
Die Anbringung eines das Verbot enthaltenden Tafel wäre sehr wünschenswert
Hochachtungsvoll T(?)ayer
Vorstand








offensichtlich war die Eisentnahme aus öffentlichen Gewässern genau geregelt, es musste aber offensichtlich ebenso häufig darauf hingewiesen werden. Bezirksamtsblatt Kötzting vom Januar 1908
Also die erste Trennungslinie verlief wohl zwischen den "modernen" Beamten und ihren Familien auf der einen und den restlichen Bürgern von Kötzting, den Eisstockschützen, den Kindern und den Wirten und Metzgern auf der anderen Seite. Irgendwie verging der Winter dann doch langsam und der zugefrorene Fluss verlor wieder an Bedeutung.
Einer der von Conrad Krämer beschriebenen Kötztinger Originale war der Schreil Toni und von diesem schrieb er aus seiner Kindheit:
Es gäbe noch so viel vom Toner´l zu erzählen, ich weiß noch als Junge, da ich in Kötzting noch in die Schule ging und an den Sonntagen mich im Schlittschuhlaufen übte, (auch die Eisstockschützen waren an allen Eisplätzen zu finden, denn es gab immer sehr viele Interessenten, die sich auf den Eisplätzen einfanden, und da machte der Toner´l als Wurstverkäufer immer recht gute Geschäfte. Er hatte einen Wurstkessel umhängen in welchem nicht nur dünn Geselchte, sondern auch geräucherte Fleischwürste waren. Dabei hatte er einen Hängekorb im Arm mit guten Laugenbrezel´n vom Hofmann Beck (spätere Bäckerei Liebl oberhalb dem Amberger Hof). Die gut geräucherten Würste waren vom alten Litz Metzger. Jeder kaufte dem Toner´l gern seine angepriesenen Sachen ab, denn es gab immer lustige Bemerkungen. Für jeden hatte er entweder eine lustige Anfrage oder eine Antwort mit Humor, denn er war immer guter Dinge und schnackerl fidel, ein Lebenskünstler im wahren Sinne des Wortes. Er hatte das eigentümliche, dass wenn er in Gesellschaft war und mit einem sprach, die Hans auf der verkehrten Seite vor den Mund hielt und so seine lustigen Stückeln erzählte. (Manuskript Conrad Krämer Seite 58)

Fasching in Kötzting

jeder der vielen Kötztinger Vereine hielt für seine Mitglieder - und zahlende Gäste - die unterschiedlichsten Veranstaltungen ab. Dies reichte von Kappenabenden bis hin zu Maskenbällen. Vor allem die Festivitäten des Lichtenegger Bundes fanden regelmäßig ihren Niederschlag in den Zeitung, die anderen Veranstaltungen kamen nur in den Zeitungsnanounzen vor. Dies lag vermutlich daran, dass im Lichtenegger Bund die Kötztinger Honoratioren versammelt waren und man diesem "gehobenen" Stand gerne die Ehre ausführlicher Berichte machte. Eine andere Möglichkeit ist natürlich, dass im Lichtenegger Bund eben auch die oder der Redakteur des Kötztinger Anzeigers vertreten war.
Das Gasthaus Wagner-Gumbirl- ist heutzutage das Anwesen Heigl
in der Marktstraße oberhalb des alten Rathauses. Dieses
Gasthaus besaß eine Kegelbahn im Gartengrundstück


Bericht über das Tanzkränzchen















Repro 1698 Gastwirtschaft Wagner - Gumbirl -
mit Kegelbahn im Garten


























 der große Faschingsumzug von 1908 

während, wie oben erwähnt, über die Aktivitäten des Lichtenegger Bundes damals immer und ausführlich berichtet wurde, kamen andere, und durchaus große, Anstrengungen in der Berichterstattung gar nicht vor. Ich vermute die Ursache darin, dass im Lichtenegger Bund die Kötztinger Honoratioren zusammengeschlossen waren, während die vom Ostmarkonkel unten angesprochenen Aktivitäten eher einem Impuls am Stammtisch entsprungen waren. In den 60er Jahren berichtete dieser von einem großen Faschingsumzug von dem wir nur den zeitgenössischen Bericht kennen. 1908 erscheinen von dieser Aktion nur zwei kurze Vorankündigungen. 
Nach dem Durchstöbern des Manuskriptes von Conrad Krämer kann man schon den Eindruck haben, dass manche der Aktivitäten der Stammtischbrüder, zu denen Krämer. Hamsa und Konsorten gehörten (eigene Wortwahl Krämers) nicht unbedingt das Wohlwollen der damals feinen Gesellschaft Kötztings gefunden hatten.
























 ein Bericht der Kötztinger Zeitung von 1962 nach einem Bericht von Konrad Krämer

In dem Zeitungsbericht ist am Ende auch der Faschingsumzug von 1909 kurz angeschnitten, der darin genannte Kaufmann Lex, dem der Photograph Hamsa die Fenster verklebt hatte,  ist heutzutage das Kaufhaus Wanninger am oberen Markt
Teil einer Photorückseite als Werbung für Otto Hamsas
Atelier. die folgenden Personenbilder stammen alle
aus der Bildersammlung des Arbeitskreises
In diesem Bericht sind mehrere Personen genannt, von denen wir Bilder besitzen. Der Maler und Photograph Hamsa ist sicher die schillerndste Persönlichkeit von all den Kötztinger Bürgern zu Anfang des 20. Jahrhunderts, die für jeden Spaß - durchaus auch sehr derbe - zu haben waren.
Otto Hamsa und seine Frau beim Theaterspielen


Phillip Krämer




Die anderen genannten Personen sind Conrad Krämer, der Ostmarkonkel, sein Verwandter der Metzgermeister Philipp Krämer und Kötztings Turnvater, Liebl Josef.



















Otto Hamsa war Conrad Krämers Jugendfreund und über ihn schrieb dieser: Nahezu 10 Jahre war ich mit ihm eng befreundet, habe alle Begebenheiten, bei festlichen Veranstaltungen, sowie im täglichen Leben mit ihm durchgemacht. Es wird selten einen derartigen Lebenskünstler geben, der sich in allen Lagen des Lebens unbezahlbaren Humor und bewunderungswürdige Wurstigkeit, selbst in den schlimmsten Lagen mit lachender Mine über alles hinweg half.Ein genialer Künstler, nicht nur als Portrait und Dekorationsmaler, so auch als Photograph, Schnell und Gelegenheitszeichner u.s.w. war er wohl der beste Gesellschafter, der mir je im Leben begegnete. Er war ein guter Sänger, famoser Theaterspieler, großartiger Rezitator und voll der tollsten Streiche
Conrad Krämer Manuskript Seite 1
Conrad Krämer, der Ostmarkonkel und "Heimatler"




















Repro Arbeitskreis Heimatforschung: "der kleine dicke Fredlbeck"
aus dem Artikel










Das Anwesen des "Fredlbäck" wurde im letzten Jahr abgerissen und am Spitalplatz das neue Apartmenthaus darauf errichtet.






Der Männerverein vom Roten Kreuz:[3]

Ebenfalls gleich im neuen Jahr, am 15. Januar, lädt der königliche Bezirksamtmann von Fuchs ins Gasthaus zur Post zur „Reconstituierung des Männervereins vom Roten Kreuz“. Dieser bereits existierende Verein war in der Vergangenheit erloschen und wurde nun mit tatkräftiger Hilfe vor allem des Bezirksarztes Dr. Weber neu aus der Taufe gehoben und zählte bei der Neugründung bereits 32 Mitglieder. Bezirksamtmann v. Fuchs wurde als erster Vorstand gewählt und Dr. Weber als sein Stellvertreter. Kooperator Späth, ein auch später lange Jahre mit dem Kötztinger Pfingstgeschehen verbundener Priester, fungierte als Schriftführer.
Ende März 1908 lädt der Männerverein vom Roten Kreuz dann ins Gasthaus Dimpfl, heute Ecke Metzstraße/Brandstraße, ein um allen Interessenten, auch Nichtmitgliedern kostenlose „Erste Hilfe Kurse“ anzubieten. Aus dem Kreis der Teilnehmer sollten dann die Herren „welche sich zum Sanitätsdienst besonders eignen in eine eigene Sanitätskolonne zusammengestellt werden, kostenlos uniformiert, mit Sanitätsgeräten, wie fahrbare Tragbahre ec. Ausgerüstet und bei Unglücksfällen, größeren Menschenansammlungen wie Pfingstmontag, Vereinsfesten ec. Zur allfälligsten Dienstleistung unter ihrem Kolonnenführer zur Stelle sein“.
In derselben Ausgabe, zum 1. April, wird das Landfeuerpiquet (=Brandwache) der Freiwilligen Feuerwehr Kötzting bekannt gegeben. Die Familiennamen dürften auch uns heutigen Lesern bekannt sein:
Führer: Traurig Franz, Steiger: Pongratz Ludwig, Sturm Josef, Schedlbauer Johann; Spritzenmänner Feßmann Josef, Costa Xaver, Drunkenpolz Josef. Sanitäter Hollmeier August.




Noch im Januar 1908 wird ein alter Streit neu belebt: auf welcher Trasse soll eine Verbindung der Eisenbahn des oberen mit der des mittleren Bayerischen Waldes erfolgen. Unstrittig ist, dass die Bahnlinie Zwiesel Bodenmais eine Verbindung nach Norden erhalten solle. Der Vertreter Kötztings erklärte namens der „Marktgemeinde sowie des ganzen in Frage kommenden Zellertales, dass er unbedingt an der geraden und kürzesten Linie durch dieses Tal mit dem Anschlusse an Kötzting festhalten müsse“. Demgegenüber erklärte der Vertreter Viechtachs,namens seiner Marktgemeinde und des gesamten Hinterlandes, dass die genannte Trassenführung durch das Zellertal eine schwere wirtschaftliche Schädigung für sie naturgemäß zur Folge haben müsste. Sie müssten deshalb mit der gleichen Entschiedenheit, wie Kötzting für seine Linie, für die Linie Gumpenried durch das Regental mit Anschluss in Blaibach-Miltach festhalten“. Es wurden Komitees für jede dieser projektierten Trassenführungen gebildet, und der Vorsitzende schloss die Versammlung mit dem Ausdruck des Bedauerns, dass zwischen Kötzting und Viechtach eine Einigung nicht erzielt werden konnte.
Im Mai klären sich langsam die Fronten im Streit um die Trassenführung der Eisenbahn, Zwiesel erklärt sich als neutral aber Cham plädiert für die Strecke via Viechtach.
Das Straubinger Tagblatt stellt fest, dass die Mehrheit der Interessenten eigentlich für die Trasse über Kötzting wäre und dieses Umland hätte in gewichtiges Wort mitzureden und es solle nicht den beiden Orten Zwiesel und Cham überlassen werden.



die Kötztinger spielen Theater

Der Februar sah eine Theateraufführung des katholischen Gesellenvereins, gegeben wurde eine „Originalstück aus dem Oberland“, der „Klosterrichter oder der Raubmord im Friedhofe“. Der Berichterstatter erwähnt, dass man dem „Stück nur wenig Handlung entnehmen könne“,  schildert aber
dass die Grauen erweckende Szene der Ermordung und Beraubung des französischen Offiziers im Friedhofe um die mitternächtliche Stunde, von der ja das ganze Stück seinen Namen trägt, die etwas kurz und unvermittelt aufträte. Auch hier klingen die Namen der Mitwirkenden: Krämer Konrad in der Titelrolle als Klosterrichter. Fräulein Anna Hofmann in der teuflischen Rolle als Klösterbäurin, die der Vernichtung preisgegeben wurde. Vitus Oexler jun. glänzte als „Wastl“ und in den anderen Rollen wurde Theres Liebl und Herr Gmach als fideler Heiratskandidat erwähnt.



Jagd auf Fischotter und Auerhahn



Vor 100 Jahren setzte das königliche Bezirksamt, in diesem Gebäude befindet sich heute das Bad Kötztinger Rathaus, noch eine Abschussprämie für Fischotter aus. In seinem Jagdrevier im Zellertal erlegte der Gruber Müllersohn Josef Zitzelsberger einen 118cm langen und 14 ½ Pfund schweren Fischotter, heute eine streng geschützte und fast ausgestorbene Tierart; so schnell ändern sich die Zeiten.
Überhaupt gab es in diesem Jahr einige Meldungen über Jagdglück, diese Meldungen zeigen wie sehr sich die Zusammensetzung der Fauna geändert hatte.

und noch ein Abschuss:



die Versteigerung des Hirtenhauses



Ausschnitt aus der Uraufnahme Kötztings von 1830













das ehemalige Brech- bzw. Hirtenhaus in Kötzting damals noch im Besitz des Marktes Kötzting - gelegen am Ende der heutigen Ziegelgasse - sollte versteigert werden. Der Versteigerungstermin wurde angesetzt und es fand sich dann auch ein Käufer, der bereit war auch die Auflagen zu erfüllen. In Paragraph 4 wurde zum Beispiel festgelegt, dass der Käufer seine Toilettenanlagen nicht auf die der Schießstätte zugewandten Seite errichten bzw. renovieren dürfte. Diese Regelung erschließt sich erst dann, wenn man weiß, dass vom Kollmeierkeller aus (heutzutage Bärwurzerei Liebl) in Richtung des Brechhauses scharf geschossen wurde.
Archiv Stadt Kötzting 921-55

Im Falle das Anwesen stehen bleibt, hat der Käufer bezw. Steigerer den Abort und den Düngerhaufen auf die Mauer der Schießstatt zu verlegen. Wenn aber an diesem Platze wo das Haus steht ein neubau aufgeführt wird, so muß dr Abort und der Düngerhaufen ebenfalls an den vorgenannten Platz angebracht werden.













Staatsarchiv Landshut BZA/LRA Kötzting Rep 164-8 nr. 560 Schiesstätte beim Kollmeier

h: Brech- und Hirtenhaus
c: Kugelfangmauer , es war wohl nicht ganz ungefährlich in Kötzting zu Ende des 19. Jahrhunderts und hinein ins 20. Jahrhundert in der heutigen Jahnstraße entlang zu gehen.
 
das Anfangsgebot waren 700 Mark, den Zuschlag erhielt Michael Hastreiter für 1510 Mark. Allerdings hatte der Verkäufer, der Markt Kötzting, die Rechnung ohne den Mieter des Hauses gemacht. Dieser reklamierte 100 Mark Renovierungskosten, die er in den vergangenen Jahren in das Haus gesteckt hatte. Nach mehreren Sitzungen des Gemeindekollegiums und des Magistrates einigten diese sich auf eine Abschlagszahlung an den Mieter Penzkofer in Höhe von 40 Mark.













Papst Pius X


Stadtarchiv Kötzting 331-1


Bekanntmachung:

Am Sonntag den 10. Mai l. Jhs
feiert

Seine Heiligkeit Papst Pius der X.
sein 50 jähriges Priesterjubiläum.
Aus diesem Anlaß werden die

Hausbesitzer des Marktes ersucht am
Sonntag die Häuser zu dekorieren
und zu beflaggen

Kötzting den 7.Mai 1908
Magistrat Kötzting
Liebl jr.



 








Interessant, dass das Komittee einen "Herrenabend" ausrief, die
Damenwelt war wohl nicht erwünscht......
In erhebender Weise wurde Anfang Mai das goldene Priesterjubiläum des heil. Vaters Pius X. begangen. Nach einem Hochamt am Vormittage trafen sich am Abend die Tit. Herren Beamten, die Hochwürdige Geistlichkeit, sowie die Bürger=und Einwohnerschaft im herrlich geschmückten Saale des Gasthauses Januel. Unter einem hübschen Pflanzen Arrangement prangte die Büste des Gefeierten. H.H. Pfarrer Elser schilderte den Werdegang und schloss mit einem begeistert aufgenommenen dreifachen Hoch auf seine Heiligkeit. Anschließend brachte Bezirksamtmann v. Fuchs den Toast auf den allgeliebten Landesvater, Prinzregent Luitpold, aus in welchem die Versammlung einstimmte.







Pfingsten 1908
Stadtarchiv Kötzting 320/908 Schmuckblatt des recht dünnen
Aktenbündels

Bei der Suche nach einem geeigneten Pfingstbräutigam mussten das katholische Pfarramt im Zusammenspiel mit dem Kötztinger Magistrat mehrere Dreiervorschläge erarbeiten, bis dann endlich Josef Schötz seine Zusage erteilte. Wie schon Jahre zuvor musste sich der Pfingstbräutigam an strenge Regeln halten, die einzuhalten er sich mit seiner Unterschrift verpflichtete:
Archiv Stadt Bad Kötzting 320-908

der Unterzeichnete bestätigt hiermit, darauf aufmerksam gemacht worden zu sein, 

I daß die Polizeistunde am Pfingstdienstag auf Punkt 12 Uhr Mitternachts festgesetzt und daher um diese Zeit die Musik zu schweigen und desgl. ist um 12 Uhr ab jede lärmende Unterhaltung zu vermeiden.

II Der Ausflug welchen die Beteiligten an der Pfingsthochzeit in früheren Jahren am Dreifaltigkeitssonntag unternahmen wird auch heuer wieder auf Anordnung des kgl. Pfarramtes Kötzting verboten.

III Zu gleicher Weise ergeht auch das verbot dahin, dass die Brautführer und sonstige junge Leute in der Behausung der Pfingstbraut sich zu größeren Unterhaltungen zusammengesellen

IV dass auswärtige Personen nicht zur Hochzeit eingeladen werden,

Der Unterzeichnete verpflichtet sich die oben angegebenen Bedingungen genauestens zu erfüllen und das Kränzchen anzunehmen

Kötzting den 6. Juni 1908

Joseph Schötz

Archiv Stadt Kötzting 320/908
Protokoll

Gesuch um die Preisfahne betr.

 Kötzting, 4. Juni 1908
Es erscheint Herr Carl Lindner jr. dahier und bringt an:
Ich habe mich seit dem Jahre 1881 alle Jahre beim Pfingstritte beteiligt u. ersuche um verleighung der üblichen preisfahne

gez.
Karl Lindner

I genehmigt
II zum Akt

Magistrat Kötzting
Liebl jun  (der damalige Bürgermeister)

  


 Das Deckerbräustüberl ist das spätere Monokel in der Holzapfelstraße
kolorierte Postkarte des Deckerschen Bräustüberls aus der Sammlung Voithenleitner
Im Zusammenhang mit dem oben genannten Otto Hamsa schrieb Conrad Krämer über das "Bräustüberl"
Eines Abends war wieder einmal die ganze Konsorte im Bräustüberl beim lustigen Beisammensein. Das Bräustüberl war das Eldorado (geschrieben als Eltorator) von Kötzting, denn wer anregende Gesellschaft haben wollte, war gezwungen dorthin zu gehen, ja selbst die Fremden frugen ständig nach dem Bräustüberl und man war nicht in Kötzting gewesen, wenn man nicht den Decker Toni als echten Waldler und niederbayerischen Wirtstyp und seine vorzügliche Frau, die als Köchin weit und breit bekannt war, kennen gelernt hatte. Ein Fremdenbuch lag auf, in welchen Hamsa durch seine hervorragenden Handzeichnungen verewigt hat. Alle Kötztinger Typen und Stammgäste waren hier naturgetreu nachgezeichnet wie zB Leo von Sperl, (Sperlhammer) Karl Obermeier, (Mesner Karl) Heinrich Rottmeier (selber Weinwirt), Alois Kolbeck (Gams) Karl Hauptmann Betriebsleiter, Toni Schreil, Friedhofsverwalter, Franz Dünzl, Hans Bücher Forstwart, Ertl Willy, Hans Singer Hauptlehrer (der Lehrer, der Zeit seines langen Lehrerberufslebens täglich von Kötzting in die Schule nach Wettzell ging und wieder zurück), Josef Wagner (Gumbierl und selber Wirt) Xaver Fischer(Baron) Josef Lenz Forstverwalter u.s.w. Conrad Krämer Manuskript Seite 19



 Im Kötztinger Anzeiger erschien dann folgender Bericht:


Während im Vorjahr das Pfingstfest buchstäblich ins Wasser gefallen war, blickte der Berichterstatter auf eine äußerst zahlreiche Beteiligung am Pfingstfest bei herrlichstem Wetter zurück. In einem sehr kurzen Absatz wird geschildert, dass über 200 Teilnehmern an der Bittprozession teilnahmen. Etwas ausführlicher wird er nur beim Einritt: „Gegen 1/1 1 Uhr kam die Prozession hier an, wo eine gewaltige Menschenmenge harrte. Unter Glockengeläute und Böllersalven zogen die Pfingstreiter ein. Auf dem Bleichanger nahm die Prozession Aufstellung, allwo der amtierende Geistliche, Herr Cooperator Senft, eine der Feier entsprechende Ansprache hielt und am Schlusse die Ueberreichung des Tugendkränzchens an den Bürgersohn Herrn Josef Schötz von hier vornahm. Außerdem wurde eine Ehrung durch den Magistrat Herrn Karl Lindner jun. für 25 jährige Teilnahme und von der Gemeindeverwaltung Traidersdorf Herrn Josef Hofmann von Kaitersbach für 30jährige Teilnahme am Pfingstritt zu teil. Hierauf nahm der Zug seinen Weg durch den oberen Markt bis hinunter zum Pfarrhofe, wo er sich auflöste. An diese Feierlichkeit schließt sich die Pfingsthochzeit an. Der ausgezeichnete Jüngling erkor sich die Bürgerstochter Anna Dreger als Braut. Nach 5 Uhr nachmittags folgte der übliche Burschen= und Brautzug und abends die Pfingsthochzeit“.


Pfingstbrautpaar Josef Schötz und Anna Dreger mit den beiden begleitern: Photo aus der Sammlung des Arbeitskreises Heimtaforschung
Plakat von 1908, im Jahr drauf dann benutzt als Korrekturfahne für die Druckerei
daher die Datumskorrekturen bei gleichbleibendem Programmteil, zu beachten ist der Hinweis auf Watzlsteg, siehe der Waldvereinsbeitrag und das dazugehörige Bild weiter unten (!). Zusatzfrage: Wo war die Haltestelle Pulling?
Plakat von 1908,
Stadtarchiv Kötzting 320-908


Waldvereinssektion Kötzting und der Hohenbogen

Auch hier war Ludwig von Fuchs als Vorstand an vorderster Stelle tätig und besonders die Wegmarkierung, die Anlage und Instandsetzung der Touristenwege waren ihm und der Sektion ein großes Anliegen, das auch große Anerkennung fand. In diesem Jahr war es  der neu markierte Weg von der Hohenbogener Diensthütte nach der Eisenbahnstation Hohenwarth.
„Aufstieg 2, Abstieg 1 ½ Stunden. Derselbe hat den Vorzug, dass er z.B. als Abstieg gewählt, von der Diensthütte nach einer kleinen Steigung eine ziemliche Strecke fast horizontal dahinführt und dabei in fortwährender Abwechslung einen herrlichen Ausblick auf das Regental bis Cham bietet. Einen imposanten Eindruck macht die während eines großen Teil des Wegs beständig vor unseren Augen liegende Gebirgskette vom Kaitersberg bis zum Arber, dessen mächtiger Bergkegel mit dem zweigipfeligen Osser den Abschluss des wunderherrlichen Gebirgspanoramas bildet. Tief unten schlängelt sich das Silberband des weißen Regens. Der zweite Teil des Weges führt durch herrlichen Wald in mäßig steilem Abfall direkt zur Station Hohenwarth. Hier hat man als weiteren Vorzug, im Vergleich zum Abstieg nach Watzlsteg, einen Bahnhof mit Wartezimmer, was namentlich bei Zugverpätungen und Regenwetter nicht zu unterschätzen ist. Außerdem bietet die nahe Bahnhofrestauration von deren Veranda man einen ganz hübschen Rückblick auf den langgestreckten Gebirgsrücken des Hohenbogens genießen kann, Erfrischungen verschiedener Art. Für Touristen, welche von Kötzting aus den Hohenbogen besuchen wollen, empfehlen wir als Aufstieg den Weg von Station Watzlsteg ab, als Abstieg aus vorerwähnten Vorzügen den allerdings etwas weiteren Weg nach Hohenwarth.“
Apropos Watzlsteg, das Farbbild stammt zwar aus dem Jahre 1938, aber es zeigt soviel Charme, dass man gerne übersehen kann, dass es sich um eine "moderne" Lokomotive handelt. Die "Haltestelle" Watzlsteg und die Allgemeinsituation dort, dürften sicherlich 1908 dieselben gewesen sein. Seit ich dieses Bild vor vielen Jahren das erste Mal gesehen habe, warte ich auf eine Gelegenheit, es öffentlich vorzustellen zu dürfen:
voila: der Bahnhof Watzlsteg

vermutlich aus der "Feder" des Hauptlehrers Josef Bock und von diesem dann in den Bestand der Kreisfilmbildstelle überführt. Ludwig Baumann hat mir erzählt, dass er vermutlich ebenfalls aus diesem Bestand als Kind zum ersten Mal Farbdias unserer Gegend gesehen hatte. in diesem Triebwagen bin ich in den Sechzigern noch in der "Holzklasse" als Fahrschüler nach Miltach - dort dann Umstieg auf einen von einer  Dampflokomotive gezogenen Regionalzug - und weiter nach Cham gefahren. Legendär war ein Schaffner SCHNECK, ein "Halbgott in blau" zumindest jeweils immer am Monatsersten um die Monatsfahrkarten abzuzwicken.



Lourdesgrotte in der St. Veitskirche

Anlässlich des 50. jährigen Jubiläums der Erscheinung Mariens in Lourdes und termingerecht zum Festes Maria Schnee, am 4.August wurde in der Veitskirche durch den Offiziator, H.H. Inspektor Elser die Lourdesgrotte un der Kreuzweg eingeweiht. Dank der Bemühungen der Kaminkehrerswitwe Frau Fanny Diermeier und insbesondere des Frl. Marie Ring, die die nicht unbedeutenden Kosten für diese Grotte gesammelt hatten, sei nicht nur die St. Veitskirche sondern der Markt Kötzting um eine Sehenswürdigkeit, eine Zierde, reicher geworden. In seiner Ansprache beklagte Pfarrer Elser, angesichts der glaubensschwachen Zeit, „dass es noch recht viele Leute gäbe, die in ihrer Verblendung alles Uebernatürliche rundweg läugnen würden und auch die Erscheinungen in Lourdes und die dort geschehenen Wunder für puren Schwindel erklären würden. Aber die Tatsache, die Wahrheit ist gegen sie." Die Grotte selbst besteht aus Tuffstein und ist geradezu künstlich aufgebaut, so dass sie mit der ebenso schönen Marienstatue zu einem harmonischen Ganzen sich verbindet und das Auge des Beschauers voll und ganz befriedigt und so ist nicht bloß das St. Veitskirchlein sondern der ganze Mark Kötzting um eine Sehenswürdigkeit reicher geworden, dank den Bemühungen der Kaminkehrerswitwe Frau Fanny Diermayer und besonders des Frl. Marie Ring, welches die nicht unbedeutenden Kosten zur Herstellung der Grotte gesammelt haben.

Repro Arbeitskreis Heimatforschung: die Lourdesgrotte in der St. Veitskirche


das landwirtschaftliche Bezirksfest

Geschäfts- und Privatanzeigen im KA von 1908
anlässlich des Landwirtschaftsfestes. Der "FISCHER PETER"
in der ersten Anzeige ist das Anwesen in der Marktstraße dass
im Moment (2017) gerade saniert/abgerissen/umgebaut wird.
Die Beleidigungsanzeige in der Mitte ist ein sprachliches
Juwel, dass sich wohl auch Ihnen erst nach dem dritten
vierten Durchlesen erschließen wird.
so wie heutzutage das Volksfest an Pfingsten muss man sich wohl das im zweijährigen Turnus stattfindende Bezirksfest des landwirtschaftlichen Kreisvereins vorstellen. Wie heutzutage auch nutzten die Kötztinger Vereine die Gelegenheit und den festlichen Rahmen und beteiligen sich zum Wohl des Ganzen an dem Fest. Von den Turnern bis zum Schützenverein, vom Kinderfestzug bis zum Brilliant=Feuerwerk und dem Glückshafen – viele Elemente des heutigen Pfingstvolksfestes tauchen bereits als Programmpunkte auf.
Wer bei dem Glückshafen nicht viel Glück oder keins hat, der tröste sich damit, dass er Stoff „Bier und Wein“ in den verschiedenen Buden genug finden wird um seinen Kummer wegzuwaschen.

Also aus Alle von Nah und Fern! Auf nach Kötzting in den Tagen des 29. August mit 1. September zum feste. Alle seid Ihr herzlich in unseren Mauern willkommen! Kötzting ist stets ein gastlicher Ort und bestrebt, diesen Ruhm sich dauernd zu erhalten.


in einem Volksfest um die Jahrhundertwende darf natürlich eine "Freakshow" nicht fehlen
 

 Auch wenn wir von diesem Fest keine Bilder haben, so hilft uns doch ein wenig die sehr detaillierte Beschreibung der Anlage: KA vom 26.8.1908: Nur noch ein paar Tag und das Vereinsfest beginnt! Allmählig schon entsteht die Budenstadt draußen auf dem Festplatze, "dem Bleichanger". Ein herrliches Portal, entworfen und aufgebaut von Herrn Ingenieur Windisch, dem Architekten des festes, geht seiner Vollendung entgegen, dazu eine schön errichtete Tribüne, eine vollständig neue und sehr geschmackvoll erbaute Ausstellungshalle, so dass schon von Weitem Alles zum Eintritt aufs freundlichstes sich eingeladen fühlt. Und drinnen im Festplatze selbst! Wie da Alles arbeitet, hastet
, nagelt, haut, hebt und stolz in die Lüfte baut. Schon sind ganz schöne Wirtsbuden aufgestellt und ist somit für des Leibes Atzung aufs beste gesorgt.Gleich rechts am Eingange befindet sich die Ausstellung der landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte. An diese anschließend in der nach rückwärts gelegenen Wiese des Mühlen= und Sägewerksbesitzers Herrn Amberger hier befindet sich vom Festplatze getrennt das eigens errichtete, große, geräumige und wasserdicht=eingedeckte Zelt für die Viehausstellung. Diese Neuerung geschah auf Veranlassung des Landw. Bezirkskomite`s und verdient allenthalben Lob und Anerkennung, da hiedurch für Unterbringung der zugetriebenen Preistiere in jeder Beziehung auf das beste gesorgt werden kann. Ein Hauptanziehungspunkt des Festes, der Glückshafen, ist fertig gebaut: alle Vorbereitungen zu denselben sind vollendet. Links vom Eingange befindet sich die Feuer= und Sicherheitswache. In deren Räumlichkeiten finden wir eine Ausstellung der im vorigen Jahre hier neu gegründeten freiw. Sanitätskolonne. Hier ist insbesondere erwähnenswert der vor kurzem mit großem Kostenaufwande neu angeschaffte Krankentransportwagen, der dazu dient, Verwundete und verunglückte in schonendster Weise in das Krankenhaus zu verbringen. 
Natürlich war mit dem Fest auch ein Riesenfestzug, ein Kinderfestzug und ein Brilliantfeuerwerk verbunden. Der Festplatz konnte nur nach Bezug eines Festzeichens betreten werden. Teilnehmer an dem Festzug und schulpflichtige Kinder sind von der Lösung des Festabzeichens befreit.

StaLa BZA/LRA Kötzting 2595 Landwirtschaftliche Feste




Damals wie heute musste ein Losverkauf festen Regeln folgen und genehmigt werden.
 Die Regierung von Niederbayern genehmigte dem landwirtschaftlichen Lokalverein Kötztings die Abhaltung eines Glückshafens mit 21000 Losen a 20 Pfennigen mit 1407 Gewinnen, bestehend aus gewerblichen-,. landwirtschaftlichen- und Gebrauchsgegenständen.
Der Wert der gewinne müsse 2100 M betragen und in 21 Serien a 100 Losen erfolgen.
Der Gewinn der Lotterie solle der Denk´schen Suppenstiftung, einer sozialen Stiftung Kötztings, zugute kommen.








Festzugsordnung
Wie kann man sich nun diese Festwägen vorstellen. Es gab im Jahre 1905 eine ähnliche Veranstaltung und die Bekanntschaft zwischen Konrad Krämer, dem Ostmarkonkel, und Oskar von Zaborsky, dem Heimat- und Trachtenforscher, der sich in Leckern ansässig gemacht hatte, in der Nachkriegszeit brachte rückwirkend ein tolles Dokument zustande, dass Konrad Krämer später der Stadt Kötzting spendete.
Das Bild ist so besonders, dass ich es hier ausnahmsweise in einer etwas größeren Auflösung vorstelle. Das Digitalisat, das dankenswerterweise die Medienzentrale an der Uni Regensburg kostenlos angefertigt hatte - wie auch das Pfingstplakat von 1908 übrigens - hat eine noch vielfach größere und damit bessere Auflösung. So detailreich und farbenfroh kann man sich die Festwagengruppe des Krieger- und Veteranenverein Kötztings vorstellen:
Festwagenentwurf von 1905, wie er sicherlich auch beim großen Festzug 1908 ähnlich durchgeführt worden war. Stadtarchiv Kötzting








das Brilliantfeuerwerk zum Abschluss des Festes geliefert von der
Fa. Weissenbach Kötzting, heutzutage Fa. Oexler im unteren Markt
Heutzutage politisch äußerst unkorrekt, damals aber ganz normal wurden die Vergnügungsschaubuden beworben mit: 2 Karoussels, Schießbude, Negertruppe, Affentheater und Anderem...genug zum Schauen und Unterhalten 
Auf denn liebes K ö t z t i n g! Ziehe Dein schönstes Festgewand an, schmücke Dich und begrüße Alle, Alle, die in diesen Tagen zu uns kommen!
Freud und Jubel allerwegen
Seht ihr heute, liebe Gäste
Ein "Willkommen" drum zum Feste
Ruft Euch K ö t z t i n g froh entgegen


 Einen großen Platz in der Berichterstattung nehmen die verschiedenen Festzüge, mit den geschmückten Wägen der Kötztinger vereine, dem Kinderfestzug und die anschließenden Prämierungen ein. An der Liste der Ehrendiplome die für die Durchführung dieses Festes verliehen wurden, kann man ersehen wer in dieser Zeit in Kötzting aktiv war. Da findet sich natürlich an erster Stelle wieder der Bezirksamtmann Ludwig von Fuchs, aber auch der Forstmeister Hubrich, der Mesner Obermayer Karl, Bürgermeister Franz Liebl, Baumeister Windisch, Ludwig Barthelmes, Schmidt Franz, Lindner Karl jun., und der Goldarbeiter Wensauer.
In der Dregerschen Festhalle wurden dann am Abschlussabend die Preise der Festschützen verteilt und nun musste gewartet werden, bis der Regen nachließ und das so groß angekündigte Brilliant=Feuerwerk gestartet werden konnte. "Das Fest neigte sich zu Ende: Alles noch voller Leben und Treiben auf "unserer Wiese": da sich aber im Laufe des Abends wieder Regen einstellte, konnte das mit Sehnsucht erwartete Feuerwerk nicht zu der festgesetzen Stunde abgebrannt werden, und mussten die von auswärts herbeigeeilten Besucher leider wieder abreisen, ohne dasselbe gesehen zu haben. -  Endlich – es war bereits 10 Uhr – ertönte das Signal zum Beginn desselben. Wie das sprühte und glänzte, ein Hochgenuss, ein so selten schönes Feuerwerk zu sehen. Nummer für Nummer wurde mit großem Beifall aufgenommen. Alles war vollauf befriedigt und damit ein würdiger Abschluss des ganzen Festes geschaffen worden“.  Insgesamt wurden während der drei Festtage 5400 Personen am Kötztinger Bahnhof gezählt.


 
In diesem Jahr war aber Kötzting im Rahmen des oben gefeierten Bezirkslandwirtschaftsfestes aber auch Gastgeber der Kreisvereinsgeneralversammlung und zu diesem Zwecke fanden sich neben den einzelnen Bezirksamtmännern auch die Reichstags und Landtagsabgeordneten, seine Excellenz Graf Kollowrath aus Böhmen und der Regierungspräsident Freiherr von Andrian=Werburg ein, der mit stürmischem Beifall begrüßt worden war.


 
In seiner Rede zeigte der Regierungspräsident auch all die Problemfelder auf, die die Landwirtschaft zu dieser Zeit plagten. Er beklagte unter anderem
- die mangelnde Versicherungssituation der Bauern gegen Hagel und Brand
- die außerordentliche Zunahme der Zertrümmerung der landwirtschaftlichen Betriebe, wobei er beklagte, dass die „Bauern dem Schmuser mehr trauten als den Bürgermeistern, Pfarrern und Darlehensvereinen.“
- die allgemeine Dienstbotennot, kumuliert in der Aussage: „freilich ist der Zug in die Großstadt, in die Fabrik groß“ und kritisiert dabei auch die Bauern als Arbeitgeber: Wenn der Bauer nicht früh genug aufsteht, wenn er viel auf die Jagd geht, dann muss sein Gut zu Grunde gehen.

 Ausflug nach Böhmen


Zum Abschluss der Kreisversammlung folgte eine Exkursion nach Böhmen auf Einladung des Grafen Kolowrath. Unter den Klängen der Kötztinger Musikkapelle verließ die illustre Gesellschaft den Kötztinger Bahnhof, um mit einem Extrazug nach Lam zu fahren, wohin Freiherr von Andrian=Werburg voraus gereist war. Von dort fuhren die 40 Teilnehmer mit 15 Fuhrwerken über Rittsteig nach Böhmisch=Luft, wo sie vom Grafen Kolowrath begrüßt wurden. Anschließend ging die Fahrt weiter über Flecken, Chudiwa und Neuern wo auch jeweils das Vieh zur Begutachtung aufgetrieben worden war. Im großen, festlich geschmückten Saal des Bahler`schen Hotels in Neuern wurde dann das Mittagsmahl eingenommen. Dort brachte der niederbayerische Regierungspräsident ein, begeistert aufgenommenes, "Hoch" auf Sr. Majestät den Kaiser Franz Josef von Österreich aus. Nachmittags ging die Fahrt durch ein hübsches fruchtbares Gelände nach Teinitzl auf das Schloss des Grafen Kolowrath, wo der Herr Graf und die Frau Gräfin den erschienenen Damen und Herren einen außerordentlich liebenswürdigen und herzlichen Empfang bereiteten. Die Teilnehmer waren voll des Lobes über die gezeigten Leistungen der böhmischen Landwirtschaft. Nach Besichtigung auch der Oekonomiegebäude des Schlosses  fuhr die illustre Runde wieder nach Lam zurück.







H.H. Pfarrer Elser geht

Am 10. September versammelte sich im Saal des Gasthofes zur Post eine festliche Schar um den Kötztinger Pfarrer und Distriktsschulinspektor (der Pfarrer und nicht eine weltliche Instanz hatte die Aufsicht über die Schulen und Prüfungen) Elser, nunmehrigen Stadtpfarrer zu Deggendorf zu verabschieden. Bis ein neuer Pfarrer ernannt und eingeführt worden war übernahm der erste Kooperator Späth die Rolle als Pfarrprovisor. Hier führte nun der Kötztinger Bürgermeister Liebl den Reigen der Redner an und Bezirksamtmann von Fuchs sprach erst an späterer Stelle. Pfarrer Elser war ja schließlich in erster Linie Kötztinger Pfarrer. Pfarrprovisor Späth hob besonders die Verdienste Elsers für die Errichtung einer zweiten Kooperatorenstelle und für die Förderung der St. Josefspflege hervor. Durch sein 10jähriges Wirken habe sich vor allem die Fronleichnamsprozession zur höchsten Blüte entwickelt. Anschließend bedankte sich noch Forstmeister Hubrich als Nachbar und Bezirksoberlehrer Blattner als Teil der Lehrerschaft für die langjährige Zusammenarbeit.

Originaltitelseite des Kötztinger Anzeigers über die Abschiedsfeier des Pfarrers Elser,
der nach Deggendorf versetzt worden war.


H.H. Pfarrer Nagler kommt


Kötzting 5. Dezbr. Zum Empfang des Hochw. Herrn Pfarrers hatte sich am Nachmittag 2 Uhr 30 Minuten eine Menge Leute von nah und fern in den Straßen unseres Marktes und auch am Bahnhof eingefunden. Offiziell erwarteten am Bahnhof den Herrn Pfarrer: Herr K Bezirksamtmann v. Fuchs als Vertreter der Behörden, die Geistlichkeit der ganzen Pfarrei, das gesamte Lehrpersonal von hier und Grafenwiesen, sodann Herr Bürgermeister Liebl mit den Herren Magistratsräten und Gemeindebevollmächtigten“. Der Zug, angeführt von der Schuljugend, die Vereine mit den Fahnen, mehrere Equipagen, besonders die geschmückte Equipage des H.H. Pfarrers mit den beiden Herren Kooperatoren. „Ein besonders festliches Gepränge verliehen dem Zug die stattliche Reitereskorte welche den Chaisen voran ritten und nachfolgten“. Nach dem Zug durch den Markt folgte der feierliche Einzug in die Pfarrkirche worauf Pfarrer Nagler, nach der Begrüßung durch den Pfarrprovisor Späth, die Kanzel bestieg und allen Anwesenden Gruß und Dank entbot.


Die Kötztinger Schulschwänzer

was aufgrund der Überschrift und der Erfahrung der eigenen sorglosen Schulzeit als Fahrschüler ins Gymnasium nach Cham nach einer lustigen Geschichte klingt, ist in Wirklichkeit ein Einblick in tiefe soziale Abgründe, in denen viele Familien und deren Kinder aus unserem Bereich steckten.
Wenn die Schüler unentschuldigt nicht, bzw. öfters nicht anzutreffen waren, wurde der Schuldiener vom Lehrer beauftragt, die Kinder zu hause aufzusuchen und zum Schulbesuch abzuholen.
Die folgenden Dokumente zeigen Beispiele solcher "Suchaufträge" versehen mit den Antworten der "Erziehungsberechtigten" bzw. des Schuldieners.
der Schulbote wird beauftragt die Schülerin Mathilde Amberger von Reitenstein in die Schule einzuführen.
Kötzting den 6.7.08
F. Mayer Hilfslehrerin

Antwort: Nicht Reitenstein, verzogen nach Kreitzberg





Der Schulbote wird beauftragt  den Werktagsschüler
1) Schwarz Josef von Haus (Mutter Anna Schwarz)
2) Joseph Meier von Haus (Mutter Anna Meier)
sofort in die Schule einzuführen
Kötzting den 12. Oktober 1908
Kgl Lokalschulinspektion

Antwort: Egge ziehen zum Korn bauen - Anna Meier

Antwort: Kind warden (=warten) Theres Schwarz









der Schulbote Albert Sedlmeier wird beauftragt die Werktagsschülerinnen Bergbauer Katharina, Tochter des Rösch Josef, Schneider von Reitenstein und Theres Brandl, Tochter des Johann Brandl Schreiner in Haus in die Schule einzuliefern
Königliche Lokalschulinspektion M. Mayer Hauptlehrer
Antwort: kommt Mittag, Josef Rösch
Antwort: morgen schicke ich sie wieder, Brandl Karoline





Nun geht´s in meine Verwandtschaft:
der Werktagsschüler Heinrich Semmelbauer, Sohn des Eierhändlers Josef Semmelbauer von Haus ist in die Schule einzuliefern.
J. Ranzinger Lehrer

Antwort: Herr Lehrer sie werden entschuldigen weil ich den Buben sehr oft notwendig brauche zum ????? Bester Gruß J. Semmelbauer












 diesmal geht´s um die Schüler Josef Schwarz von Haus und Alois Fuidl von Gehsdorf:
Antwort: die Kinder meiner Schwester haben keine Schuhe. Euere (wohl ihre) Mutter ist eingespert. Theres Schwarz
Antwort: Ansicht des Knaben verweigert.








Schülerin Schwarz Maria von Haus

Antwort: Schwester nicht zu Hause, Josef Schwarz









Gebührenliste und Gebührenordnung für den Schuldiener. Aus dem Markt musste er im Jahre 1908 nur ein Kind zur Schule "einliefern". Vom Umland waren es dann schon etwas mehr 21 Schulschwänzern musste er nachspüren. Für diesen Aufwand bekam er insgesamt 6 Mark 50 Pfennige ausbezahlt. Im Folgejahr waren es dann etwas weniger "Schulschwänzer", und so verdiente er an diesen nur mehr 5.50 Mark.

Meine Verwandtschaft war wohl dabei etwas häufiger beteiligt, weil in dem Akt der Semmelbauer Heinrich gleich zweimal verewigt ist.

diesmal ist die Erklärung: Heinrich muss Eier verladen. Bitte ?? entschuldigt Franziska Semmelbauer





auf demselben Formular wird Joseph Krah aus Reitenstein gesucht: Antwort: die Mutter ist mit der Leiche gegangen, daher erst am nachmittag Johann Krah


















das das Ganz eher eine landesweite Plage darstellte, kann man ahnen, wenn dieses Vorgehen sogar von ganz oben angeordnet worden ist.




  Unterhaltungsangebot im Jahre 1908


Noch Jahrzehnte entfernt von Radioempfang, vom Fernsehen ganz zu schweigen, erhielten unsere Kötztinger Bürger doch einen "Multimediaeindruck" von den Geschehnissen der großen weiten Welt und von wichtigen Ereignissen der Vergangenheit. In schöner Regelmäßigkeit schlugen, heutzutage würden wir sagen Schausteller, Künstler ihr Etablissement im Markt auf und warben im KA um Besucher, aus Ausgleich wurde Ihnen dann ein wohlwollend formulierter Bericht gewährt.












Eine Besonderheit dürfte dieser Projektor sein. der seinen Strom von einer "Lichtzentrale mit Dampfbetrieb" erhielt.




Natürlich kam auch eine Hochseiltruppe nach Kötzting:












Die Kötztinger Gaststätten und die Vereine nutzen weiterhin den Jahresverlauf um ihre Gäste und Mitglieder zum  Feiern

der Burschenverein wollte nocheinmal mit seinen scheidenden
neuen Rekruten ein Fass aufmachen















Weingut auf dem Ludwigsberg hielt ein großes Bergfest ab
und der "Wührbinder" eröffnete sein Flussbad:
Staatsarchiv Landshut BZA/LRA Kötzting Rep 164-8 Nr. 758 Flussbad in Kötzting, rechts ist die Marktmühle mit dem Wasserfall
und den beiden Werkskanälen, geöffnet wurde dieses "Tauchbad" bereits 1901.


 

die Kötztinger Holzschnitzschule

um die Jahrhundertwende mit großem Aufwand errichtet, kam dann die Entscheidung diese Aktivitäten in Zwiesel zusammenzufassen, Das Gebäude diente wurde dann noch für kurze zeit von der landwirtschaftlichen Winterschule mit genutzt.
Einladung zur Schlussprüfung im Gebäude der ehemaligen Schnitzschule
 Im Herbst war dann aber Schluss: zum Jahresende wird das Gebäude versteigert.
hier ein Bild aus der Sammlung des Arbeitskreises Heimatforschung. Die Schnitzschule mit Teilen seiner Schüler. links daneben die Bäckerei Irlbeck in der Bahnhofstraße, nun das moderne Sparkassengebäude. Das Bild müsste vom Anfang des 20. Jahrhunderts stammen. Links oben im Hintergund das mächtige Gebäude ist das Krankenhaus. Bemerkenswert sind die großen Stadelanlagen in der Pointwiese.









 am Ende ein Potpourri an Einzelmeldungen 

 


Kampf gegen den Obstbaumfrevel, selbst die Obstbäume an den Straßen der Umgebung waren "verstiftet" und gehörten damit einzelnen Personen. Unsere Raubzüge als Kinder durch diverse Gärten
beginnend hinter der Brandstraße und hinunter die ganze Schattenau über alle Gartenzäune hinweg und durch alle Gärten hindurch bis hin zu den Wasserrübenfeldern hätte uns bzw. unsere Eltern 50 Jahre früher wohl in Schwierigkeiten gebracht.





 
das war so unser Jagdrevier, vom Schwarzanderstadel über den Fleischmannstadel bis herunter zum Lieblgarten, die Schattenau eben, an der Stelle an der hier der Leiterwagen steht ist jetzt die Kunststoffbahn des Leichtatletikstadions


Dem Verein der Protestanten Kötztings und Umgebung e.V,  entspricht heutzutage die evangelische Pfarrgemeinde. Sie hielt ihre Gottesdienste in der unteren Bahnhofstraße. Ihre Pfarrkirche St. Markus wurde erst in den Nachkriegsjahren erbaut.

Michael Vogl, der Vater vom Vogl Max und damit Olli Zilks Großvater hatte offensichtlich vor 1908 seine Werkstatt am Kötztinger Bahnhof - so schließt sich auch ein Kreis - hier verkündet er seinen Werkstattumzug hinauf auf den Marktplatz ins ehemalige Windorferhaus(Irlbeck). Wenige Zeit später erwarb er dann das Anwesen in der Bahnhofstraße, welches heute noch in Familienbesitz ist.







Allgemeines Verbeugen in Richtung Herscherhaus in München durch die Herren Beamten und Honoratioren Kötztings


















auch im Bezirksamtsblatt finden sich Meldungen, die man dort nicht vermutet hätte:

das die Brauer gerne Bier trinken war wohl eine Überraschung.....



 Beim nächsten Beitrag ahnt man direkt welche Probleme der Schriftsetzer hatte seine Seite voll zu bekommen und so schafften es selbst die Eier des Wachtmeisters Meidinger in die Zeitung:


Von diesem Karl Meidinger - gibt es ebenfalls eine mehrseitige Personenbeschreibung aus der Feder Conrad Krämers.
 Wer den Schaden hat......


 Manche von euch kennen sicherlich das Buch Linkes: "Ein Jahr rollt übers Gebirg" und darin dann das Kapitel über die Holzversteigerungen des Kötztinger Forstamts bei dem sich die Würmbacher (=Rimbacher) Holzbitzler gegenseitig aus Neid übersteigerten. Solche Versteigerungen wurden mehrmals im Jahr angekündigt. Hier ein Beispiel aus dem Forstwald Haidstein.



























 In Weissenregen gab es um die Jahrhundertwende Bestrebungen oben an der Kirche+ Klause ein Filialkloster errichten zu lassen. Der Blaibacher Pfarrer war eine treibende Kraft bei diesem Unternehmen, fand aber tatkräftige Unterstüzuung durch einen Verein. Es half aber nichts, schon wenige Jahre später wurde Weissenregen der Pfarrei Kötzting eingegliedert.








Urban Legends

 Manche Gerüchte - früher wie heute - sind so skuril, dass man sich schon fragen möchte, wer glaubt so etwas bzw. kann denn so etwas möglich sein unter erwachsenen Menschen. Ob es der Mondlandungshoax ist, die Aluhütchenträger und Chemtrailgläubigen heutzutage oder der spukende Chopper in der Neutraublinger Zahnarztpraxis in den 80er Jahren.  Auch vor 110 Jahren gab es solch verrückte Geschichten,welche sich in Mund zu Mund Propaganda verbreiteten, gerne geglaubt wurden und für Angst und Schrecken sorgten:



 


Und sie wollen nicht aufgeben: 

 



zu dem Zeitpunkt wussten sie noch nicht, dass es noch fast 50 Jahre dauern sollte bis diese Idee dann endgültig begraben worden war. Aus Ausgleich erhielten das Zellertal und Kötzting dann für wenige Jahre den SCHI-STRA-BUS

Wie immer am Jahresende im Januelsaal, heute würde man sagen, eine Benefizgala für und von der Josefspflege in Kötzting


































Werbeanzeige der Fa. Vitus Oexler, der wir den Kötztinger Anzeiger verdanken



Kommentare:

  1. jetzt sitz ich hier,in Des Moines Iowa, seit ueber einer stunde und lese und freu mich... dabei sollte ich andere sachen tun hier zu haus...aber schee wars... ich kann mich noch gut erinnern die zuege durch die gaerten, ich glaub die rabl christa sagte mir ich waere zu klein und kann nicht schnell genug ueber die zaeune klettern...ich habs aber geschafft..und das wasserrueben stehlen waehrend der bauer in der naehe war, war auch eine herausforderung die ich als tomboy mit gusto annahm.....

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  2. Die Zäune bzw. die wackligen Zauntüren waren aber auch ein Hindernis......

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