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Donnerstag, 26. Januar 2017

Der Kötztinger Spielmannszug Teil 2

von der Trommlergruppe hin zum großen Spielmannszug

Auch wenn wir uns hier in einem Zeitrahmen bewegen, an den sich einige Beteiligte noch gut erinnern können sollten, so gibt es offensichtlich doch unterschiedliche Erinnerungen und vor allem decken sich diese nicht mit den Unterlagen, die sich im Archiv und aus den Zeitungsberichten ergeben.

Sicherheitshalber hier noch der Link zum ersten Teil:

Eine kleine Notiz aus der Chronik der Feuerwehr Kötzting gibt zumindest einen Startpunkt bekannt, den sie selber damals festgelegt hatten, auch wenn der Sachverhalt damals ein anderer war, aber dazu später.
Zuerst einmal die Kurznotiz, so wie es die Kötztinger Feuerwehr bekannt gab und dann anschließend die ersten Einsätze der Fanfarenbläser:



Sonntag, 1. Januar 2017

Das "obere" Bad und der Badbrunnen

Das "obere" Kötztinger Bad und sein Badbrunnen
alte Hausnummer 100




Auf dem Ausschnitt des Lageplanes (Vermessungsamt Cham Ort_Koe_1831_K62 Uraufnahme Kötzting von 1831 ) sieht man das Haus mit der laufenden Nummer 100, zufällig ist die SW Aufnahme, die aus der REPRO Sammlung des Arbeitskreises Heimatforschung Kötzting stammt aus derselben Perspektive aufgenommen. Auf dem Plan ist weiterhin ein Brunnen eingezeichnet, der auf dem Marktplatz liegt. Dieser Spital bzw. Badbrunnen war, anders als die vielen anderen Brunnen innerhalb des Marktes Kötztings ein Schöpfbrunnen, der aus Grundwasser gespeist wurde. Die anderen Brunnen in der Marktstraße hingen wie Perlen an einer Kette an einer hölzernen Wasserleitung, die von außen- aus den Wäldern rund um Gradis - in den Markt herein geführt wurde.
Kötzting hatte über all die Jahrhunderte zwei Bäder, eines am regen gelegen und ein zweites, das immer das "obere" Bad genannt wurde.
Auch wenn es Hinweise gibt, dass in den ersten Jahrhunderten Kötztings das "obere" Bad im Bereich des Marktplatzes zu verorten war, so ist es doch zumindest seit dem Zeitraum kurz vor und nach dem Dreißigjährigen Krieg an dieser Stelle sicher nachzuweisen

Das Kötztinger Wappenbild war ursprünglich kein Baum, sondern ein an den Stielen zusammengebundener Blätterbuschen, mit dem man sich im mittelalterlichen Bad dezent die Blöße bedeckte. Der Badebetrieb gründet in Kötzting auf uraltem Recht. Der Marktrechtsbrief vom 11. 11. 1344 bestätigt es: „Es ist auch der Markt Kötzting zugelassen mit zwei Badstuben.“

Ein öffentliches Badehaus mit einem eigenen Brunnen, dem in Erinnerung gebliebenen „Badbrunnen“, stand an der Ecke Gehring-/Marktstraße. Es war ein einstöckiges Holzhaus mit gut 30 Quadratmetern Grundfläche, mit einem Lehmboden, einem gemauerten Badeofen und mit einem Ziegeldach, als die Bürgerhäuser noch mit Schindeln gedeckt waren. Es war im Besitz der Pfarrkirche und wurde an den Bader verpachtet, der auf  diesem Haus saß. Soweit die schriftlichen Quellen zurückreichen, war die Badergerechtigkeit mit dem Besitz dieses Anwesens verbunden. Das Haus hatte auch ein Wasserrecht vom „Badbrunnen“. Eine Leitung führte in die Kellerräume. Dort steht heute noch ein Bottich aus Steingut. Die Herren Beamten des Bezirksamtes sollen ihn im letzten Jahrhundert benutzt haben, um im „gesunden Wasser“ zu baden. .

Frau Maria Oexler bei dem historischen Bottich
 Wann der Badebetrieb im hölzernen Badhaus eingestellt wurde, ist nicht bekannt. Der Brunnen, ausgestattet mit einem Brunnkorb und einem Schöpfwerk, war noch 1874 „der meist benutzte Brunnen im Markt“. Bis dahin hatte die Kirchenstiftung die Baulast, und ebenfalls dahin zahlte der Bader die Pacht an die Kirchenkasse. Da dringende Reparaturen anstanden, verkaufte die Kirche den Badhausgrund und den Brunnen selbst an die Marktgemeinde.

Die Besitzer des Oexler-Kellnerhauses führten bis etwa 1700 die Berufsbezeichnung Bader und Badermeister, danach aber auch Wundarzt, Chirurg und Medicus. Die Kötztinger Bader hatten sich, wie die andernorts, vom Körper-, Haar- und Bartpfleger zum Heilkundigen weiterentwickelt, der auch kranke Zähne zog 

Schaufenstertext von Ludwig Baumann im Juni 1999, bei der monatlichen Vorstellung einzelner Kötztinger Anwesen, hier Hausnummer 100



Wir kennen als ersten Besitzer  im Jahre 1616[1] den Schuhmacher  Georg Pölsterl , schon damals war der Badbrunnen und der Wasserbezug daraus fest mit seinem Anwesen verbunden.  Georg Pölsterl schien offensichtlich mit seiner Frau einen sehr lautstarken Umgang gepflegt zu haben, das Pfleggericht – und nicht der Magistrat! – verurteilte Beide wegen gegenseitiger Beschimpfung am heiligen Osterabend zu 8 Tagen Gefängnis. Nach dem ersten Einfall der „Schweden“  im November 1633 war auch dieses Haus eine Brandstatt und damit musste die Kirche Kötzting[2] die normalerweise erfolgenden Einnahmen aus dem Pachtzins des Badbrunnens auf  „nihil“ (=Nichts) setzen:  Vermög des Salbuches ist das obere Pad alhier wegen des Padbrunnens verliehen   2fl 8 kr 4 he Gilt zureichen schuldig , seitemallen aber erwehntes Pad abgeprennt und nit mehr bewohnt“
 Noch 1650 saß der Schuhmacher Georg Pölsterl[3] , sicherlich bereits der Sohn, wenn nicht der Enkel das anfänglichen Besitzers gleichen Namens, auf dem Anwesen, und, nachdem er das Bad nicht betrieb, musste die Pfarrkirche weiter auf die Einnahmen aus dem Badbrunnen verzichten.  vermög des Salpuechs trüfft die gilt vom Padtprunn 2 fl 8 kr 4 he weils aber das Padt nit mehr aufgericht worden sondern Georg Pölsterl Schuhmacher die  Prandtstatt inhandten als würd die Gilt nit mehr geraicht , vielmehr in Abgang  gebracht“                                                                 

 
Auch 1671war  Georg Pölsterl noch auf diesem Anwesen, wieder ist es  ein Gerichtsverfahren, das uns weiterhilft[4],  es beschreibt, dass der Bader Pyber Hans aus Eschlkam bereits 1667 in sein Haus gekommen wäre und ihn vollkommen betrunken beleidigt hätte und erneut, als er, Pölsterl, zum Gericht gegangen war um um Frieden zu bitten, sei Pyber mit einem Degen auf seine Frau zugelaufen und hätte ihr einen Stich versetzt. Der Eschlkamer Bader musste dafür dann  2 Tage im Amtshaus[5] in Kötzting einsitzen.
 
1674 nun kommt endlich wieder ein Bader auf das Anwesen,  Dupps Andre aus Altrandsberg[6] heiratete Sabine Pölsterl, die Tochter des nun bereits verstorbenen Georg Pölsterls, erhält das Anwesen und hat damit auch das Recht sich das Kötztinger Bürgerrecht[7]  um 4 Gulden zu kaufen. Auch Dupps Andreas scheint das robuste Gemüt seines Schwiegervaters besessen zu haben, in den Folgejahren fällt er vor allem dadurch auf, dass er vor dem Magistrat mehrere Räte beleidigt und sich dadurch einiges an Gefängnis- und Geldstrafen einhandelt.
 
1689 haben wir einen neuen Besitzer auf dem Haus, Hindersteiner Ander, - mit der allgemeinen Herkunftsbezeichnung: aus Niederbayern - heiratete am 23.11.1689[8] die Witwe Sabina des verstorbenen Baders Andreas Dups. Der neue Bader wird kurz nach seiner Einheirat  auch als  Schützenmeister betitelt, erhält den „Schützenvortl“ [9]und  taucht in den Kötztinger Rechnungsbüchern bei den verschiedensten Waffenkäufen auf. So hat er 1703 für „ den Pareller ain Feuerrohr erhandelt“[10], 1705 hat er dem Markt eines seiner eigenen Gewehre[11] um 5 Gulden 30 Kreutzer verkauft und 1707 erhält er ebenfalls von Magistrat für sein Zielrohr[12] 56 Kreutzer.
1712[13] verkaufen die Erben Ander  Hindersteiners die „Paadersgerechtigkeitsbehausung“ an den ledigen Bader Hans Augustin Fischer aus Osterhofen um 620 Gulden, Fischer Augustin erhielt auch noch im selben Jahr das Kötztinger Bürgerrecht.[14] Auch er wird Bader und Schützenmeister genannt und erhält vom Magistrat in Kötzting  für seine Mitschützen: „den vor die Schietzen so mit Zihlrohr uf die Scheiben schissen vom gemainen Markht alda passierlichen Schützenviertl vors Jahr 1719 et 1720 erhalten.“ 1732[15] versuchte er – in Verkennung der Kötztinger Marktfreiheiten - sich ein Braurecht auf sein Anwesen zu erstreiten, allerdings angesichts der eindeutigen Rechtslage in Kötzting vergeblich, da der Status seines Hauses als reines Haus dem entgegenstand, nur die Besitzer eines Marktlehens hatten- und dies dann allerdings ganz automatisch – das uneingeschränkte Brau- und Schankrecht. 1733 erscheint der Bader Augustin Fischer als Kammerer in Kötzting . Nachdem sein Versuch gescheitert war, sich das Braurecht zu verschaffen,  unternimmt er einen zweiten Anlauf als Brauer, diesmal gings um die Branntweinherstellung. Er bewirbt sich um das sogenannte Gladtwasser, um ein Abfallwasser also, das bei der Bierherstellung anfällt und erhält dieses auch. 1734[16]. Auch einen Priester stellt diese Familie, für seinen Sohn und Studenten der Theologie  Johann Bartholomaeus lässt der Kammerer Augustin Fischer 1738 einen Geburtsbrief[17] ausstellen;  für die Primizfeier spendierte der Magistrat dann ein Jahr später 9 Gulden 30 Kreutzer.[18]  Auch in der für Kötzting sehr schweren Zeit im Österreichischen Erbfolgekrieg war Augustin Fischer der Amts- und Vicekammerer . Wenn die Kötztinger den Forderungen der Östereicher nicht schnell genug nachkamen oder nachkommen konnten, so wurden, man nannte dies  Exekution,  den Ratsherren Soldaten ins Haus zum Quartiermachen geschickt. 1745[19] schreibt der Kammerer Fischer:,“ umb daß ich Rechnungsführer vor dem Fuggerschen Herrn Obristen, auch Wacht dann Stallungen ins Stockhaus und dem Profossen keine Körzen auf Verbittung des Rats habe geben dürffen sondern selbe solche Lichter von den Quartiersvattern in gelt genommen, alß bin ich durch 13 Mann die ganze Nacht hindurch exequiert worden.“ Der Magistrat hatte ihm also verboten einige Augaben – hier für Kerzen - von Magistratsseiten zu bezahlen sondern diese sollten von den Hausbesitzern selber getragen werden, worauf die Soldaten dem Kammerer ins Haus gesetzt wurden.
 
1749[20] soll der ledige Badersgeselle Josef Fischer auf Wanderschaft gehen, das Anwesen wird auf ihn um 718 Gulden übertragen und anschließend die Badersgerechtigkeit  auf 2 Jahre an den „kunstfertigen Feldscherer Georg Samson vom churfürstlich loblich Fuggerischen Dragonerregiment“ verstiftet, um die Wanderschaft überhaupt möglich zu machen. Nach seiner Wanderschaft heiratete  1752[21] der frischgebackene Chirurg Josef Fischer seine Braut Moret Regina, Tochter des Mesners Georg Moret,  aus Regen. 1753 schlossen beide einen Heiratsvertrag[22], in dem die Braut 300 Gulden Heiratsgut mit seiner Badergerechtigkeitsbehausung widerlegt bekam. Auch Josef Fischer war bald Mitglied im Magistrat Kötztings und erhält dort den Zuständigkeitsbereich als  Sagverwalter für die Marktsäge.  Zu diesem Zeitpunkt tauchen auch zum ersten Mal Beschwerden wegen seines Abfallwassers auf, da er offensichtlich dieses einfach aus seinem südöstlichen Hauseck heraus einfach auf die heutige Müllerstraße fließen lies. Im Umrittsprotokoll[23] des Jahres 1758 heißt es ausdrücklich, dass er „durch Abfallwasser zur Winterszeit den Weg ruiniert“ hätte.
Später bei der Beschreibung der Geschichte des Hauses Nummer 43 – Voithenleithner – wird die benachbarte Marktschreiberwohnung eine große Rolle spielen, hier ist nun 1759[24] als „aufgestellter Marktsaagverwalter“  Fischer Josef dafür zuständig den Holzschnitt für den Dachstuhl dieser Wohnung sicherzustellen. 1769 wurde er dann Ziegelherr, war  also zuständig für die Ziegelproduktion in Kötzting,  - solange Samuel Luckner noch einen großen Bedarf an solchen Ziegeln hatte, war dieser selber der Kötztinger Ziegelherr, nun da er seine Hauptbauwerke durchgeführt hatte, konnte der ruhig das Amt abgeben.
1779, in Kötzting tobte bereits seit Jahren der Streit um die Reitensteiner Anteile, erhielt die Witwe Regina Fischer den Ankunftstitel über das Anwesen am 20.12.1779 und reichte dieses Haus noch am selben Tag an den bereits oben genannten Wundarzt Kalser Josef Anton, dem Schwiegervater Windorfer Georgs,  weiter.


[1] Staatsarchiv Landshut (im Folgenden  StA Landshut) Rechnungen Pfleggericht Kötzting von 1616
[2] Pfarrarchiv Kötzting (im Folgenden PfA Kötzting) Kirchenrechnung von 1640
[3] PfA Kötzting Kirchenrechnung von 1650 Seite 29
[4] StA Landshut Rechnungen Pfleggericht Kötzting von 1672
[5] Im Einzelnen siehe CLEMENS PONGRATZ: Das alte Amtshaus in Kötzting, in: Beiträge zur Geschichte im Landkreis Cham (im Folgenden BGLC) Bd. 19 (2002),
[6] PfA Kötzting Fiche 45 Seite 107
[7] Stadtarchiv Bad Kötzting (im Folgenden StA Kötzting) Rechnung Markt Kötzting von 1674 Seite 4
[8] PfA Kötzting Fiche 49 Seite 189
[9] Der Schützenvorteil wurde vom Magistrat auf Wunsch des Landesvaters erteilt, aus dem Wunsch seine Landeskinder wehrhaft zu erhalten.
[10] StA Kötzting Rechnungen Markt Kötzting von 1703 Seite 38
[11] StA Kötzting Rechnungen Markt Kötzting von 1705 Seite 44
[12] StA Kötzting Rechnungen Markt Kötzting von 1707 Seite 43
[13] StA Landshut Briefprotokolle Markt Kötzting von 1712 Seite 62
[14] StA Kötzting Rechnungen Markt Kötzting von 1712 Seite 7
[15] StA Landshut Rentkastenamt Straubing A 1000
[16] Bayerisches Hauptstaatsarchiv München( im Folgenden BayHStA) Gl Fasc 1839 Nr. 88
[17] StA Landshut Briefprotokolle Markt Kötzting von 1738  Seite 62
[18] StA Kötzting Rechnungen Markt Kötzting von 1739  Seite 25
[19] StA Kötzting Rechnungen Markt Kötzting von 1745 Seite 52
[20] StA Landshut Briefprotokolle Markt Kötzting von 1749 Seite 1
[21] PfA Kötzting Matrikel  Fiche 381 Seite 144
[22] StA Landshut Briefprotokolle Markt Kötzting von 1753 Seite 24
[23] StA Kötzting IV/36 B2 Seite 78
[24] StA Kötzting Rechnungen Markt Kötzting von 1759 Seite 65
 




 

 

 

 

 

 

 

 

 


Luckner




Wolfgang Samuel Luckner [1]

1715 -  1794 
Kammerer in Kötzting
Unterthänigst gehorsamster
Samuel Luckner Kammerer
zu Kötzting
Luckners Unterschriftszug und Schriftprobe




Luckners Wappen





















„…ein Mann ohne redlichen Gefühle, gewöhnt an morsches prädominieren (=herrschen), hält es neben anderem, belebt von Eigennutz, auch immer für seine Pflicht den tollen Mitbürger in dem Falle anzueifern, solchen wo möglich in mutwillige Proceße zu locken: So bald er bemerkt, daß ihm ein Strich durch seine Rechnung gemacht wird. Und hat er es einmal so weit gebracht, daß er durch seine trügerischen Versprechungen von siegenden Vorteilen eine so lockere als Strafbare Rotte auf seine Seite gezogen; so hat er für sich gewonnen Spiel, und seine verderbte Absicht in vollem Grade erreicht: denn er findet sich auf seine Art unter dem Deckmantel von Litis consorten (=Prozessgemeinschaft) berechtigt auch sogar die aller muthwilligsten Streitigkeiten auf fremde Rechnung hartnäckig fortzusetzen, und so im Dunkel seinen habsüchtigen Beutel gewissenlos spicken zu dürfen, gestalten er am Ende, weiss Gott, was alles in Ansatz bringt, daß ihm sodann eine blos verführte Cummunität zurück vergüten soll, ob er schon im Grunde und selbst sogar in dem allergeringsten Streitsgrund kein siegdienstliches Urteil erfochten, folglich während dem verworrenen ganzen Proceßlauf sich kein anderes verdienst erworben als daß er sich das dumm und boshafte Glück verschaffte den unschuldig angegriffenen Theil in einem Unkosten von mehr als 1/M fl (=1000 Gulden) gestürzt haben, und selben in seinem bittersten verfall nun elendig darben zu sehen“.
Wer hier so über den Kötztinger Kammerer Luckner urteilte gehörte sicherlich nicht zu seinen Freunden. Diese Charakterbeschreibung Luckners steht am Anfang eines amtlichen Schreibens und ist unterzeichnet vom Rentmeister (Maximilian Graf von Daun, war auch „adjungierter Pfleger von Kötzting“) und seinem Rentkanzlisten und Schreiber Ellersdorfer beide von der Rentdeputation, also der Regierung in Straubing. Rentamtsschreiber Ellersdorfer brachte in dem Schreiben seine ganze Empörung zum Ausdruck, weil sich bei der Rechnungsrevision Luckners zeigte, dass der Kötztinger Kammerer eine sehr eigensinnige Buchführung geführt hatte.

In diesem amtlichen Beschwerdeschreiben steckt schon vieles drin, was die Person Luckners undseine Handlungen auszeichnete. 
1. Es geht entweder nach seinem Kopf oder gar nicht!.
2. Eine Sache ist erst verloren wenn er sie als verloren kennzeichnet, ansonsten gibt es immer einen Weg, allerdings nach der Methode Punkt 1!

Mit dieser Maxime und den notwendigen finanziellen Mitteln im Hintergrund konnte er viel für sein und das Fortkommen seiner Familie erreichen ABER auch die Entwicklung Kötztings in entscheidenden Punkten voranbringen.


Luckners Kötztinger Abstammung


Seine familiäre Herkunft und sein wirtschaftlicher Hintergrund könnten eine Erklärung sein, oder zumindest einen Hinweis geben, aus welcher Quelle sich sein Selbstbewusstsein speiste.
Wolfgang Samuel stammte, wie sein berühmter Bruder Nikolaus, der spätere Marschall von Frankreich, von dem Chamer Kammerer, Hopfenhändler, Spital- und Kirchenverwalter und Gastwirt Samuel Luckner ab. Er war der älteste überlebende Sohn von insgesamt 6 Söhnen und 2 Töchtern seines Vaters. Seine Mutter, Maria Franziska Billich aus Kötzting, heiratete bereits 16 jährig ihren Mann und feierte diese Hochzeit im Hause ihrer Eltern, im damals ersten Haus in Kötzting, heute als Haus des Gastes oder Hotel zur Post bekannt. Die Familie Billich war zu diesem Zeitpunkt bereits über 100 Jahre in Kötzting nachweisbar und, als Besitzer der einzigen Privatbrauerei, dann des Gschwandhofes (heute Klinik für traditionelle chinesische Medizin) und vieler anderer Häuser und Grundstücke, wirtschaftlich die führende Familie in Kötzting. Viele Mitglieder der Familie waren im Inneren Rat und stellten damit turnusgemäß (zu der Zeit alle vier Jahre) den Amtskammerer.


Samuel Luckner also, - der spätere Vater unseres Wolfgang Samuel und der Sohn von Jakob und Anna Elisabeth Luckner aus Cham -heiratete seine Kötztinger Frau Maria Franziska am 17. August 1706.
 
Heiratseintrag resp. Eintrag der Sponsalien, also des Heiratsversprechens: Pfarrmatrikel Kötzting Band 1 Seiten 651 
Sponsalia de Futuro contraxit nobilis Dominus Samuel Luckner Dmi Jacobi p:m: et Annae Elisabethae ux. viventis, filius legitimus de Cham cum virtuosa virg: Francisca Billichin Dni Joannis Billich p:m:

Teil 2 Seite 652

civis Köztingam et Agnetis Kriegerin vivis, Filia legitima. Testibus Dno Casparo Kazenperger de Haus et Dno Joan: Jacobo Fridl Syndico Cambensis
Ein Versprechen auf eine zukünftige Hochzeit haben abgeschlossen der ehrenwerte Herr Samuel Luckner ehelicher Sohn des verstorbenen Herrn Jakob (Luckner) und dessen noch lebender Ehefrau Anna Elisabetha aus Cham und die tugendsame Franzisca Billich eheliche Tochter des verstorbenen Johannes Billich, Bürgers aus Kötzting  und der noch lebenden Agnes Krieger (hat nach dem Tode Johannes Billich den Johann Krieger geheiratet) Trauzeugen waren Herr Caspar Kazenperger aus Haus und Herr Johann Jakob Fridl Syndicus aus Cham. 




Am 7. Juni 1727 verstarb dann in Kötzting der ehemalige Kammerer, Braumeister und Hopfenhändler Johann Krieger, der zweite Mann der oben im Heirtaseintrag erwähnten Agnes.
Drei Jahre später, am 30.06.1730, folgte in Cham der Kammerer Samuel Luckner, der Vater unseres Samuel Luckners, im Alter von 47 Jahren.
Seine Witwe zog nun mit den vielen Kindern in ihren Heimatort nach Kötzting, zur Großmutter der Kinder, die ja nun seit drei Jahren bereits ebenfalls Witwe war. 
Luckners Mutter heiratete in Kötzting zwar noch ein zweites Mal, nämlich 1732 Franz Alexander Wissmann aus Donaustauf, der aber außer zur Sicherstellung seines eingebrachten Heiratsguts keinen darüber hinausführenden Besitzanteil am Anwesen erhielt. In den Kötztinger Rechnungsbüchern steht unter ihrem Namen ein ganz besonderer, einmaliger Eintrag.
Als sie 1731 nach Kötzting gezogen war und den Grundbesitz übertragen bekommen hatte, erwarb sie das Bürgerrecht in Kötzting und bezahlte dafür die ungewöhnlich hohe Summe von 19 Gulden. Dies ist deshalb so außergewöhnlich, weil sonst kein einziger Fall bekannt ist, dass in Kötzting einer Frau das Bürgerrecht verkauft und ausgesprochen worden ist.

Doch zurück zum Zeitablauf, am 12. November 1732 heiratete, wie oben bereits angeführt, die Gastgeberin und Witwe Maria Franziska Luckner, die Mutter unseres Samuel, ihren zweiten Ehemann, Herrn Franz Alexander Wissmann aus Forstmühle, Sohn des Jägers Johann Georg und seiner Frau Eva, die Trauzeugen waren der Chamer Kammerer und der Chamer Zuckerbäcker Siber. Beide übernahmen neben dem Kötztinger Gebäudekomplex auch die anderen Immobilien, wie die Sölde und Taverne in Chamerau von der verwitweten Hopfenlieferantin Agnes Krieger.
Diese Ehe sollte aber nicht lange dauern, denn am 14.02.1736 bereits verstarb die Wirtin Maria Franziska Wissmann, in Kötzting, noch vor ihrer Mutter.

Nun war Samuel Luckner 21 Jahre alt und konnte die Besitznachfolge seiner Mutter antreten


Die Erben der Frau Wissmann, alles Geschwister Wolfgang Samuel Luckners, waren Pater Antonius Luckner, (später Prior im Kloster Niederalteich), für ihn kam eigens aus dem Kloster Niederalteich als rechtliche Vertretung Dr. Franz Ignatz Dallhofer, dortiger Hof und Propstrichter, Maria Bolienna Lucknerin im Kloster St. Klara in Regensburg (später Äbtissin in St. Klara), sie wurde vertreten von Herrn Johann Christoph Hueber, Gerichtsprokurator von Viechtach, Jungfrau Maria Franziska Lucknerin ledig, jedoch vogtbar, Herr Johann Wolfgang (später Bierbräu in Zwiesel) Franz Bonaventura (später Bierbräu in Straubing), Johann Niklas (später der Graf Luckner) und  Joseph Niklas (später Gastwirt in Cham). Die vier minderjährigen Jungen wurden durch ihre obrigkeitlich constituierten Vormünder Herr Wolfgang Dreger des Rats und dem Färber Balthasar Schöllinger vertreten.
Sie alle nun übergaben die Preustatt mit allen Pertinentien dann Preugeschirr, Vässer, das hiran erpauthe Häusl (siehe Krieger) und dem ebenfalls neu erpauthen Stadl wie das dabei vorhandtene Häusl, wägen und Pflueg sambt den Ehhaltenpoetten und sambtliche Kötten und Rossgeschirr
Und die freien Grundstücke:
Den Schlegl und Königacker
Die Tirriglwiese und Acker
Der Acker, der unter dem Markt liegt
Den langen Denscherzacker
Die 2 neben dem Saagmülleracker zu Grub
Zissleracker
Die 3 Theil und 3 Stück auf der unteren Au
Hammerwiese
3 Weiher
Wirtshaus und Erbrechtssölde zu Chamerau

Die Übergabesumme betrug 9000 fl und dieser Verkauf erfolgte am 19.05.1736. Samuel Luckner war nun 21 Jahre alt und der reichste und einflussreichste Mann in Kötzting, musste aber zusehen, dass er zu festgesetzten Zahlungsfristen 9000 fl aufbringen konnte; und nun kam ihm seine Großmutter zu Hilfe. Sie, der die Hälfte der Übergabesumme zustand, erließ ihm diesen Betrag bzw. bestand nicht auf einer sofortigen Bezahlung und ließ protokollieren „dass meinem Ödl (Enkel) als einem angehend jungen Hauswürth bey diesen ohne das harten Zeiten nit wohl möglich were diese Summe Gelts auf gethane Weis abzustossen, also thue aus anfreuliche Liebe und in Ansehung er die Preustatt zu guetten seiner anderen Geschwistrigen gleichwollen in einem hohen Wert angenommen auch damit im nit gleich anfenglich alle Lust zum Hausen benommen“




Im Sommer des darauf folgenden Jahres heiratete Wolfgang Samuel nun zum ersten Mal. Zur selben Zeit verließ sein Bruder Nikolaus, der in Passau bei den Jesuiten erzogen worden war, endgültig das Elternhaus und trat 1737 als Cadett in das bayerische Infanterieregiment Morawitzky ein, nahm mit diesen unter Österreichs Fahnen an dem 1739 beendeten Türkenkriege teil, ward im letzten Jahr Fähnrich, 1741 Lieutenant und 1743 zu Ferraris=Husaren versetzt. Der später berühmte Graf Luckner hat also seine prägenden Jahre, obwohl er als Sohn der Stadt Cham gilt, in der Geburtsstadt seiner Mutter, in Kötzting verbracht.
Am 5. August heiratete Wolfgang Samuel Luckner Eisenhut Maria Euphrosina, aus Stadt am Hof. Am Ende seines Lebens wird er dreimal verheiratet gewesen sein und mit seinen drei Frauen insgesamt 23 Kinder gezeugt haben.




Pfarrarchiv Kötzting Matrikel Nr. 14  Seite 86 vom 5.8.1738
Augustus
5. huius contraxit Matrimonium spectatissimus Dominus Wolfgangus Samul Luckhner Praxator in Közting Dni Joannis Samueli Lukhner camerarij in Camb , et Mariae Franciscae coniugi amborum defunctorum filius legitimus cum virtuosa virgine Maria Euphrosina spectatissimi Dni Joannis Christophori Eisenhut p.m. civis et Praxatoris ad Pedempontis et Catharinae coniugis adhus in vivii filia legitima
Testes fuerunt Joannes Christophorus Eisenhut et Christophorus Mölzl ambo cives et Praxatores ad Pedemponti

Ex licentia Parochj copulavit R.D. Johannes Georgius Eisenhut Germanus Sponsae ac. p.t. Cooperator in Langenerling
am 5. August schlossen Ihre Heirat der achtungsvolle Herr Wolfgang Samuel Luckner, Brauers von Kötzting und Sohn des Kammerers(Bürgermeisters) Johann Samuel Luckner aus Cham und seiner Ehefrau Maria Franziska, welche beide bereits verstorben sind mit der tugendsamen Jungfrau Maria Euphrosina eheliche Tochter des ehrenwerten Brauers und Bürgers aus Stadtamhof und dessen Ehefrau Catharina, welche beide noch am leben waren.
Als Trauzeugen fungierten: Johann Christoph Eisenhut und Christoph Mölzl, beide Bürger und Brauer aus Stadtamhof
Mit Erlaubnis der Pfarrei wurde die Trauung vollzogen durch den Ehrenwerten Johann georg Eisenhut, Bruder der Braut und derzeit Kooperator in Langenerling

Interessant ist hier die Bezeichnung Pedempontis ( am Fusse der Brücke) für Stadtamhof bei Regensburg



In den nächsten Jahren bekam die junge Familie 3 Kinder:
1) Maria Rosina                              * 09.06.1738
2) Joseph Benedikt,                       * 10.03.1740
3) Maria Anna Walburga
               * 29.07.1742 † 11.06.1743 in Kötzting



Nach dem Tod der ersten Frau heiratete er am 29.07.1743 in Kötzting Maria Magdalena Zissler aus Roding (* 23.03.1721 in Roding, + 24.04.1780 in Kötzting). Sie war die Tochter des Bäckers, Ratsherrn und späteren Rodinger Kammerers Thomas Zissler und seiner Frau Katharina. Die Heirat selbst fand in der Wallfahrtskirche Heilbrünnl bei Roding statt, wurde aber auch in den Kötztinger Pfarrmatrikel beurkundet. In den Folgejahren hatte das Paar eine stattliche Reihe von Kindern von denen allerdings die meisten im frühen Kindesalter starben.
4)  Joseph Andreas                                   * 21.05.1744 † 21.05.1744 in Kötzting
5)  Maria Anna
                                            * 27.04.1745 † 20.04.1746 in Kötzting

6)  Samuel Sebastian                                * 20.01.1747 † 1813 in Straubing

7)  Franz Xaver Andreas W.                     * 06.07.1748 † 07.01.1749 in Kötzting
8)  Anna Sabina Magdalena
                     * 12.11.1749 † 25.03.1750 in Kötzting
9)  Franz
 de Paula                                     * 10.12.1750 † 29.04.1754 in Kötzting
10) Maria Franziska Sabina
                      * 27.01.1752 00  Michael Poschinger

11) Maria Klara                                          * 10.05.1753, † 30.05.1753 in Kötzting
12) Johann Nepomuk                               * 15.05.1754 † 29.07.1754 in Kötzting

13) Maria Anna Walburga                        * 05.08.1755 00 J.P. Aschenbrenner
14) Wolfgang Samuel Nikolaus              * 07.12.1756 † 12.08.1757 in Kötzting
15) Ignatz Wilhelm                                   * 02.05.1758 † 05.02.1759 in Kötzting
16) Anna Maria Aloysia                            * Juni 1759    † 07.03.1760 in Kötzting
17) Felix Wilhelm                                     * 14.04.1761 † 22.09.1761 in Kötzting
18) Infans
                                                  * 19.03.1764 † 19.03.1764 in Kötzting



Epitaph von Magdalena Luckner, Wolfgangs zweiter und wohl wichtigster Frau

Ein Jahr nachdem seine zweite Frau im Frühjahr 1780 verstorben war heiratete er zum dritten Mal. Samuel Luckner war nun 66 Jahre alt, seine Braut war ein 20jähriges Mädchen, das noch dazu eng mit ihm verwandt war. Luckners Schwager Georg Thomas Zissler, der Bruder seiner zweiten Frau, war früh verstorben und seine Witwe heiratete in zweiter Ehe Georg Michael Frankerl einen Rodinger Bäcker, der aus Walderbach stammte. Mit deren Tochter heiratete Wolfgang Samuel Luckner die Nichte seiner zweiten Frau, bei einem Altersunterschied von 46 Jahren.
Geheiratet wurde am 11.07.1781 und mit seiner dritten Frau hatte er nun noch fünf weitere Kinder.
19) Georg Wolfgang Samuel                         * 21.09.1782 † 06.11.1782 in Kötzting
20) Wolfgang Samuel                                   * 07.06.1784 in Kötzting
21) Georg Michael
                                       * 10.05.1786 † 08.10.1786 in Kötzting
22) Georg Michael                                       * 10.04.1787 † 07.05.1787 in Kötzting
23) Bub                                                       * 26.12.1789 † 26.12.1789 in Kötzting
 
Siegelabdruck U L  Ursula Luckners, der dritten Ehefrau mit dem Wappen
Wolfgang Samuel Luckners

Luckner als Bauherr, Brauer und Hopfenhändler

Samuel Luckner fand, nach seinen eigenen Worten seinen von seiner Großmutter übernommenen Besitz in solch schlechten Zustand vor, dass er damit rechnen musste, dass Teile der gebäude einstürzen könnten. Aufgrund seiner persönlichen Wirtschaftskraft war er bereits sehr früh Mitglied des Marktrates und bemühte sich sogleich um das Amt des Ziegelherrn, also des Aufsehers über die Produktion in der markteigenen Ziegelhütte. Damit konnte er für ausreichend Nachschub an Baumaterial sorgen und baute und erneuerte mehr als ein Jahrzehnt lang alle seine Wirtschaftgebäude, errichtete neue Bierkeller und baute seine Brauerei stetig aus.
Vom historischen Gasthaus kennen wir einen einfachen Plan, der aus einem Prozess Luckners stammte, den dieser mit dem damaligen Prior und Pfarrer Mack um das markteigene Wasser, bzw. Abwasser führte. Die Ausrichtung des Planes ist dermaßen, dass er auch mit dem Blickwinkel einer alten, natürlich nicht aus Luckners Zeit stammenden, Aufnahme der Gaststube übereinstimmt.
Ausschnitt aus einer Prozesskizze, rechts oben das heutige und damalige Gastzimmer
Bild des Gastzimmers im "Hotel zur Post" aus den dreißiger Jahren, Bild im Original vermutlich vom Kötztinger Hauptlehrer Josef Bock, der eine ganze Serie an Werbebildern aus diesem Zimmer geschossen hat. Blickrichtung siehe oben in der Planskizze.
In Luckners Gasthaus - direkt gegenüber sowohl dem Priorat als auch dem Landgerichtsgebäude - war in Kötzting die "erste" Adresse für gutes Bier und gute Speise. Als eigener Hopfenhändler und damit auch gute überregionale Kontakte hatte er Zugriff auf gute Rohmaterialien und konnte so - im Gegensatz zu seinen Kötztinger Kommunbraukollegen - besseres Bier brauen UND er hielt sich nicht - oder nicht ganz - an die strikten zeitlichen Vorgaben des Bierbrauens. (Bier durfte damals nur im Winterhalbjahr gebraut werden) So konnte er bereits frisches, neueres Bier anbieten, während seine - behördlich kontrollierten Kollegen noch auf ihren sauer gewordenen Bierresten der vorherigen Brauperiode saßen.
Wie oben nur an einem kleinen Beispiel angeführt, steckte er in einem andauerndem Streit mit dem Kötztinger Pfarrherrn und Prior Gregor Mack, mit diesem führte er mehrere lang andauernde Prozesse, trotzdem war das Kloster Rott, also der "Dienstherr" des Priors nachweislich über viele lange Jahre, auch während der Prozesse Luckners mit dem Kloster selber, ein sehr sehr guter Kunde des Hopfenhändlers Luckner, wie die wenigen übriggebliebene Rechnungsbände des Kötztinger Priorats belegen können. Hier ein Beispiel aus dem Jahre 1786, schon nach Wegzug des Priors Mack - der nun in Rott am Inn selbst war um zu versuchen dieses vor dem Bankrott zu bewahren.


Das von dem hochwürdtig, Im Gott geistlich und hochgelehrten Herrn P: Coelestino Steiner Priore alhir zu volge hochgnädiger Anbefelchung heunte dato ab zu dero lobl. Stifft und Kloster Rott am Inn für das 1786te Preyjahr gelieferten 10 Centner 95 Pfund gewicht Saazer Hopfen Vier hundert dreyssig ain Gulden 48 xr bis zur selbstigen Abrechnung im Abschlag empfangen habe, würdet in Krafft diss bescheint act.
Közting den 26.7bris ao 1786
id est 431 fl 48 x


Siegel und eigenhändische Unterschrift:
Samuel Luckner mp
















Luckner als Kammerer


Kammerer=Bürgermeister


„Im Juli 1755 bei allbereits eingetroffen Wohllobl: Rentamts UmrittsComißion bin ich wieder all mein Vermuthen und Willen exclusiv der ersten 3 Stimmen nach dem Steuer Register einhellig zum Kammerer erwählt worden und habe die Marktskammer in lautter Schulden und Unrichtigkeit angetroffen ..... welche Schulden von dem Bayerischen Krieg meistens herkommen, wo ich Luckner selbst bey 220 fl Anweisungen als verlorene zerreissen müssen“.
Mehr geschoben als gewollt sei er 1755 zum Kammerer gewählt worden, und habe nur Schulden und schlechte Buchführung vorgefunden.
Die ersten Amtsaufgaben wären ausschließlich Aufforderungen des Rentmeisters gewesen. So befahl die Umrittskommission dass sich der Markt in München bei der Hofkammer kurzfristig seine Marktsfreiheiten bestätigen lassen musste. Zu diesem Zweck überbrachte Luckner persönlich ein Bittschreiben der Bürgerschaft nach Nymphenburg und  meinte hierzu: „worfür ich kein Heller Deputat aufgerechnet inner Jahr und Tag die Sache zu Ende gebracht“. Er hatte also diese Reise, obwohl amtlicherseits angeordnet, auf eigene Kosten unternommen und erledigt, auch wenn diese Bittstellung in München seiner Meinung nach nicht viel gebracht hatte.

Luckner selber führt in einem seiner vielen Rechtfertigungsschreiben eine Liste an, was er für die Marktkasse alles positiv bewirkt hatte:
StaLA LGäO Kötzting Nr. 646 Verkauf der
Herensäge 1803

1. Die Herrensäge, heutzutage der Lindnerbräu, verdankt seine Entstehung der Krativität Luckners, der eine Sagmühle auf Kosten des Marktes errichten lies (mit den "Herren" sind hier die Ratsherren gemeint) und diese anschließend zu saftigen preisen zugunsten der Marktkasse verpachtete.

in dem nebenstehenden Dokument wird die (von der Regierung erzwungene) Versteigerung der Marktsrealitäten protokolliert, hier die Versteigerung der Herrensäge an den Meistbietenden Josef Mühlbauer aus Hohenwarth im Jahre 1803.

 

 

 

 

 

 2. Brandbekämpfung, darunter verstand er mehrere seiner Maßnahmen, von der Verhinderung einer Saliterhütte inmitten des Marktes bis hin zum Ankauf einer Messingfeuerspritze. In der Marktkammerrechnung von 1781 steht bei den märktischen Gerätschaften nun eine „Feuerspritzen mit einem doppelten Geschöpf von Kupfer und ainem Schlauch zusammen mit einer hölzernen Feuerspritzen mit einem hölzernen Rohr

3. Der Umbau des (alten) Rathauses, mit Einbau einer Marktschreiberwohnung, dem Marktarchiv,  einem Raum für die Feuerrequisiten, dem Turm mit der Rathausuhr
4. die Bewältigung einer Hungersnot in Bayern:Im Jahre 1771 herrschte im Lande Bayern allgemeine Hungersnot als Folge der landesweiten Missernten. Luckner  wollte vorausschauend reagieren und ließ aus seinem „eigenen, reichlichen Hafer“ zwei große „Haufen“ machen, wovon der eine im Notfall zur Speise dienen sollte. „Die Lage“, so schrieb er „wurde alle Wochen kritischer, und um Pfingsten gab ich denen Fuhrleuten schon den Haber an eingezogensten und so auch meinen eigenen Pferden, und da endlichen die Sorge immer mehr und mehr zunahm, war ich weiters besorgt, begab mich in ein gewisses Ort“, (das könnte ein Hinweis auf Schmuggel aus Böhmen sein, denn einen Ort in Bayern bräuchte er nicht geheim zu halten) „welches ein Stück Weg von hier entfernt seye, kaufte alldort 15 Schäffel Korn, das Schäffel zu 25 fl und bey dessen nach Haus bringung gab ich dieses Korn denen nothleidenden Bürgern wie ich es selbst erkauft, und endlich auch meinen samentlichen vielen Haber das Metzl zu -fl 36 xr, wobei aber einige Abkaufer so vermessen gewesen, den bey mir kauften habern gleich wieder hinter meiner Hausthier, das Metzl anstatt denen ausgelegten –fl36xr fremden Leuthen um 1 Gulden, sohin gegen Gewinn zu verkaufen ... in Wahrheit, wann ich dortmals nicht mit eigenem und herbey gefahrenen Getraide für die Bürgerschaft besorgt gewesen wäre, so hätte sicher der dritte Theil der Bürgerschaft vor Hunger entlauffen müssen und wohin? Ich habe noch heunt zu tag das Register von denen Käufern in Handen“. Auch hier benahm er sich vorbildlich als der Vorsteher seiner Gemeinde, der Gefahr von seinen Schutzbefohlenen abwenden will und dies aufgrund seiner Beziehungen, seiner Mittel und Weitsicht auch vermag. Hervorzuheben ist, dass er sich am Elend seiner Mitbewohner, anders als andere Krisengewinnler, nicht bereichern wollte und der Hinweis auf seine Käuferlisten zeigt auch, dass er es jederzeit hätte beweisen können.

5. das märktische Wasser: "In ao 1762 ist um Gebetsläuten nachtszeit bey Franz Drunkenpolz (Marktstrasse 9) ein Feuersprunst enststanden, solche Behausung zu ganz abgebrunnen, nebstbey hat auch die darnebenstehende Leckersche Schuhmachersbehausung, wie auch das Spital Schaden gelitten. Bey dieser Feuersprunst war das größte Unglück, dass solche Wintterszeit geschehen, und nebstbey das gemeine Marktswasser wegen der verhanden gewesten Kälte und dem gehabten allzuwenig Nachdruck abgefröhrt, und in kein einzigen Kaar (=Brunnen) nicht einmal ein tropfen Wasser gewesen, dass alles Wasser so zum Löschen gebraucht worden, von dem Regenfluß hatte hergeschleppt werden müssen“.

Nach dieser schlechten Erfahrung machte Luckner den Vorschlag sein eigenes Quellwasser, das, wie er schreibt, „3 oder 4 Kirchtürm höher lieget und aus einem lebendigen Felsen entspringt und einen unaufhaltigen Nachdruck hat“, mit dem märktischen Wasser zu verbinden. Er stellte ausdrücklich fest, dass „er persönlich am besten geeignet dazu sei, helfen zu können“. In Zukunft sollte das Quellwasser in nur einer Röhre bis zum oberen Markttor geführt und dort dann erst aufgeteilt werden. Am 22.08.1761 schloss der Magistrat mit Zustimmung des Bürgerausschusses einen Vertrag mit Samuel Luckner, der für beide Seiten große Vorteile, mehr Sicherheiten und Kostenersparnisse brachte.

 
StaLA Regierung Straubing 4591 Wasserleitungsstreit bzw. Plan für die Einigung: Legende: 1 Zeltendorfer gemeinsprunn und Ursprung des Wasser questionis - 2 dir s.v. Viechtrenckh von dem Yberfall der Gämmer sein  - 3 Wiesen wässert - 4 die Deich zum Schlosswasser - 5 das Dorf Zeltendorf - 7 der geweste Schlossgarten - 8 das Churfürstliche Schloss - 9 Luckhners Preustatt - 10 Luckhners neu erpauthe Keller  NB Vertheilung 

Luckner seinerzeit der wohl härteste Gegner vor Gericht 

Viel Feind viel Ehr, könnte man meinen denn Wolfgang Samuel Luckner prozessierte mit jedem nur möglichen Gegner:

mit dem Kötztinger Pfarrherren 
mit dem Kötztinger Landrichter
mit allen möglichen Nachbarn
mit der Regierung in Straubing
mit der Regierung in München
mit dem Kloster Rott, mit dem er übrigens über viele Jahrzehnte beste Geschäfte machte
mit diversen Hofmarksuntertanen 
mit Teilen des Magistrats
mit vielen Mitbürgern
mit seinem Schwiegersohn
mit seinen Söhnen und Töchtern

s.o. folgend seinen beiden Maximen:  er hatte das Geld auch unangenehme Prozessserien auszusitzen und wenn er eine kleine Chance sah, dass sich eine klitzekleine Möglichkeit zur Revision ergeben könnte, oder er halt eine Möglichkeit sah>>>>>> ab in die nächste Runde.

Eine der unangenehmsten Prozesse und Erlebnisse dürfte sicher die schmerzhafte Erfahrung sein, dass seine Prozessgegner - finanziell ausgehungert und zermürbt durch seine JAHRZEHNTELANGE Verzögerung - dann aus Verzweiflung handgreiflich geworden waren. Die Ehefrauen von fünf Prozessgegnern hatten einen Vorwand genutzt, waren zu ihm ins Wohnzimmer vorgedrungen und hatten ihn dort nach Strich und Faden vermöbelt. Diesen dann folgenden Prozess hatte übrigens, wie er selber zu seinem größten Bedauern feststellen musste, aufgrund eines (seines) Verfahrensfehlers als einen der wenigen verloren.



Im Laufe des Jahres 1790 trat Wolfgang Samuel Luckner freiwillig vom Amt des Kammerers zurück und als sein Nachfolger wurde noch im selben Jahr der Bader Georg Windorfer[2] bestimmt. Die politische Lage in Kötzting war zu diesem Zeitpunkt immer noch gekennzeichnet durch einen tiefen Riss unter den Bürgern und geprägt von tiefsitzendem Misstrauen.
Diese Lagerbildung bestimmte ganz automatisch auch das Verhalten des Magistrats und Samuel Luckner war immer noch mächtig genug, um auch ohne Amt und Würden seinen Einfluss dort geltend zu machen, wo es ihm wichtig erschien. Er konnte diesen Einfluss ausüben, da er ja, auch wenn er nach der Übergabe des Gschwandhofes nun kein Marktlehner mehr, als Hopfenhändler aber  noch ein sehr wohlhabender Bürger Kötztings war.

Zwei Tage vor seinem Tod, am 9.08.1794 bat er die beiden Kammerer und den Marktschreiber zu sich an´s Bett, um eine letzte Änderung an dem Testament vorzunehmen.
Die Zeugen schildern ihn als „zwar krank, doch bey vollkommener Vernunft“. Er hatte erkannt, dass der Stiftungszweck der Jahrtagsmessen in seinem Testament besser durch ein Grundstück als durch Kapital gesichert sein würde und bestimmte dann dass das Sattleräckerl im Gänskragen der Kirche zufallen sollte, unter der Bedingung, dass der jährliche Pachtzins für die gewünschten Seelenmessen reichen mußte.
Am 11.08.1794 verstarb Wolfgang Samuel Luckner, gewester Bräu, 34 jähriger Marktkammerer, churfürstlicher Hopfenlieferant; er verfügte ein Äckerl und einer Wiese zur Pfarrkirche um einen sehr leidentlichen Preis per 375 fl damit aus dem Interessen [Zins] für ihn und seine 3 Ehefrauen Euphrosina, Magdalena und Ursula 12 Gulden Monathsmessen alle Jahre gelesen wurden. Die Grabschrift nennt ihn auch den 2. Gutthäter [Die Hauptsumme kam von Bartholomäus Görring] der neuen großen Glocke und Bauverwalter des Kirchturms und Chores.




Luckners Epitaph in der St. Anna Kapelle in der Kirchenburg in Kötzting


Auch wenn die Aufnahmen natürlich nicht aus Luckners Zeit stammen, hier noch ein paar historische Bilder des Anwesens, das in seinen wesentlichen Ausformungen von Luckner so erbaut worden war.




 
der Kötztinger Hauptlehrer Josef Bock schoss eine Serie an Bildern herab vom Kirchturm. Aus dieser Reihe, eingefügt in die von ihm betreute und aufgebaute  Kreisfilmbildstelle, stammt diese beeindruckende Bild. Man erkennt den großen, mächtigen Komplex des Brauereianwesens. In der Bildmitte oben die damalige "neue" Schule, rechts davon, die bereits abgerissene "alte" Schule, an deren Stelle steht nun unsere Parkgarage. Nur schwer zu erkennen ist der Gebäudekomplex hinter dem Anwesen Haas, also der heutzutage sogenannte "Schmidtbräukeller". Wa mir noch auffällt ist ganz unten links das alte Josefsheim. Bis zum Schuljahreswechsel 1959/60 waren dort noch Zöglinge untergeracht, die mit uns anderen Kötztingern in die Volksschule gingen. In der Mitte meiner ersten Volksschulklasse waren sie dann einfach verschwunden - in den Augen von uns Kindern. Das Bild stammt aus den 30er Jahren, die "Platte" noch vollkommen unbebaut.


"Frau Post", Frau Schmidt, an Ihrem und auch noch heutigen Stammtisch, der sicher in dieser Wirtsstube schon zu Luckners Zeiten seinen Platz und Berechtigung hatte. Bild von Josef Bock aus den 30er Jahren, vermutlich für Werbemaßnahmen angefertigt



 


Zeittafel



Ereignis
Kammerer
Pfarrer
Rentmeister
Pfleger

1729






1730




Jakob

1731




von

1732



Von Verger
Mayer

1733




Johann

1734




Franz

1735




Joseph

1736


Innozenz Mayer

Strassmayr

1737






1738






1739

Fischer




1740
OEK


Von Verger


1741
OEK
Fischer

Pistorini


1742
OEK
Fischer




1743
OEK





1744
OEK
Fischer




1745
OEK





1746

Mack


+ Strassmayr

1747

Druckmüller


Johann

1748

Druckmüller


Nepomuk Graf

1749

Druckmüller


Seine Witwe

1750




heiratete

1751

Druckmüller


Von Frank

1752

Huber




1753

Druckmüller

Pistorini


1754

Druckmüller
Innozenz
Lerchenfeld


1755

Druckmüller
Mayer



1756

Luckner
I



1757

Luckner
I



1758

Hospach
Mayer



1759

Luckner
Mack



1760

Hospach




1761

Luckner




1762

Waldherr




1763

Luckner




1764

Hospach




1765

Luckner




1766

Hospach




1767

Luckner




1768

Hospach
Mack



1769

Luckner




1770

Luckner




1771
  +
Fischer




1772
Görring
Fischer
Mack



1773

Luckner

Lerchenfeld


1774

Fischer


Von

1775

Luckner


Verger

1776

Fischer
 Mack
Lerchenfeld


1777
BEK
Luckner
Coelestin
Von Verger


1778
BEK
Fischer
Steiner



1779
BEK
Luckner




1780

Schweitzer




1781

Luckner




1782

Luckner




1783

Luckner




1784

Kollmeier




1785

Luckner

Von Verger


1786

Kollmeier

Von Daum
+ von Frank

1787

Luckner


Armannsberg

1788

Luckner
Coelestin



1789

Kollmeier
Steiner



1790
Luckner +
Luckner/
Windorfer




1791

Straubinger


Armannsberg

1792

Windorfer


Von Frank

1793

Dreger


91-99

1794

Dreger / Windorfer




1795

Dreger
Peter Paul



1796

Dreger
Kuchler



1797

Dreger




1798

Gerstl




1799

Gerstl

Von Daum
Von Frank

1800

Gerstl




1801

Dreger


























Von Frank





[1] CLEMENS PONGRATZ: Wolfgang Samuel Luckner , in: Beiträge zur Geschichte im Landkreis Cham (im Folgenden BGLC) Bd. 20 (2006)- Bd.31(2014),

[2] CLEMENS PONGRATZ: Die Windorfer eine Kötztinger Erfolgsgeschichte die Familie,  ihre Häuser und  ihre Unternehmungen in: Beiträge zur Geschichte im Landkreis Cham (im Folgenden BGLC) Bd.32(2015) ff,