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Donnerstag, 27. November 2014

Ein Sommerthema in der Adventszeit....

so wie ich im vorigen Jahr im Hochsommer zur Abkühlung die Bilder von Eis und Schnee gebracht habe, möchte ich pünktlich zum Start der Weihnachtsmärkte und der Adventszeit  ein Spezialsommerthema zusammenstellen.


Achtung Smartphones können vermutlich die Filmsequenzen nicht darstellen........ auf dem PC funktionieren sie.....

Im Jahre 1965 drehte Wensauer Gottfried einen Film über unser damaliges quicklebendiges Schwimmbad. Kurze Szenen aus diesem Werk sollen ein wenig diese alte Zeit aufleben lassen.
Der Hauptgrund ist allerdings ein tragisches Unglück in diesem Spätsommer: das verbliebene Hauptgebäude in unserem alten Kötztinger Schwimmbad ist abgebrannt und damit bleiben uns nur noch unsere Erinnerungen an, ja an was,
eine unbeschwerte Jugendzeit
ein generationsübergreifender Treffpunkt für alle Kötztinger
für jede Altersstufe und für alle "Interessen" ein eigenes Platzerl auf dem großen weitläufigen Gelände.
an ein SAUKALTES Wasser und daher täglich getürkte Wassertemperaturmessungen durch die Frau Krämer in ihrem Kartenhäuschen.
an die "Binken"löcher in dem Umkleidetrakt
und und und ......



Achtung Smartphones können vermutlich die Filmsequenzen nicht darstellen........ auf dem PC funktionieren sie.....
das Plantschbecken mit geschätzten 35 Grad und  schlammbraunem Wasser, bestens geeignet auch für die Schwimmer, weil man mit blauen Lippen - wegen der Flusstemperatur - sich in die Brühe legen und wieder aufwärmen konnte. Die Dame mit den weißen Haaren am Beckenrand ist meine/unsere "Tante" Lene ein fester und jahrzehntelanger  Bestandteil unserer Großfamilie - Kochen, Beeren sammeln und auf die Kinder aufpassen waren ihre Hauptaufgaben - vermutlich ist meine Schwester eine der plantschenden Kinder im Becken
 

Daher mache ich mich nun auf die Suche nach Material über unser altes Schwimmbad, wenns denn dann schon draußen kalt und ungemütlich wird, dann soll es uns eben innerlich warm werden mit unseren Erinnerungen an.

unser Schwimmbad

Dies ist natürlich zuerst einmal ein sehr individuelles "UNSER", es ist das Bad in etwa für die Geburtsjahrgänge bis 1970. Danach war es modern, solange Kötzting noch kein eigenes   Hallenfreibad hatte, nach Furth im Wald oder nach Viechtach ins Freibad zu fahren, das Kötztinger Flussbad war somit mega out.
Aber erst mal der Reihe nach, Kötzting hatte ja schon vorher ein Flussschwimmbad, beim Wührbinder hatte sich schon seit der Jahrhundertwende ein privates Schwimmbad etabliert - dieses "Etablissement" wird einmal in einem gesondertem Beitrag vorgestellt - 1911 kam es dann zu den ersten Plänen beim Hedwigfall  ein kommunales Schwimmbad zu errichten:

 Auf dem Katasterblatt kann man erkennen, dass der erste Entwurf das Bad an der Stelle errichten wollte, wo später der Autoparkplatz längs der Metallabsperrung angelegt war.
Der Kötztinger Bezirksbaumeister Windisch erstellte diesen Plan. Für die Älteren unter uns ist darauf noch ein kleines Detail interessant: dort wo heutzutage sich die verschiedenen  Schulgebäude tümmeln ist 1911 noch ein Weg eingezeichnet, deutlich erkennbar im Plan, tief eingeschnitten ins Gelände. Diese Hohlgasse war damals sowohl Kötztings Sandgrube als auch eine der ersten Mülldeponien UND für uns auch einer der beliebten Kinderspielplätze. Die andere Mülldeponie, meist auch als Müllverbrennungsplatz be- und genutzt, lag an der heutigen Straße zum Kasernengelände, an der linken Straßenseite beginnend gleich hinter dem OBAG Gebäude. Müll anfahren und gleich an Ort und Stelle anzuzünden war eine durchaus übliche Methode die Menge zu reduzieren......
Aber nun weiter mit dem Entwurf in Kötzting ein Flussbad zu bauen.
Wir sind noch vor dem ersten Weltkrieg und man war moralisch noch sehr hochstehend und achtete auf strikte Geschlechtertrennung und somit auf strenge Zucht und Ordnung

Entwurf für ein Schwimm ( und  wohl mehr Untertauchbad) vor dem Hedwigfall






















 Aus diesem Grunde war es bereits im ersten Kötztinger Bad, beim Wührbinder, üblich, dass die Geschlechter getrennt zum Bade schritten und das gesamte Schwimmgelände blickdicht eingezäunt, ja eingelattet war. Wie man aus der nebenstehenden Ankündigung des Magistrats ersehen kann wurden Kinder, Damen und Herren einzeln zum Bade gebeten.
Das oben gezeigte Bad kam nicht zur Ausführung, der Weltkrieg kam dazwischen, und gleich danach hatte der Kötztinger Magistrat mit vielen anderen Schwierigkeiten zu kämpfen, da war weder Zeit noch Geld noch Interesse für solch ein Vorhaben.
1926 allerdings kamen unsere Ratsherren auf die Idee, die Krankenkassen für ein Schwimm- und Heilbad einzuspannen und so habe ich nun einen großen Akt im Archiv: Errichtung einer Bade und Schwimmanstalt mit dem Zusatz Errichtung eines Heilbades durch Ortskrankenkasse Kötzting.

Der Plan war gut gemeint, aber nun kam die Wirtschaftskrise dazwischen und wieder war es Essig mit den großen Bauplänen auch wenn die moralischen Grundsätze mittlererweile ein freizügigeres Verhalten beim Baden zugelassen hätten.
Aber die Pläne waren geboren und im Dritten Reich kam es dann doch zur Ausführung und Kötzting bekam sein neues Schwimmbad.







Entwurf für das Kötztinger Bad vom Hochbauamt in Landshut nach 1933

So sah unser Flussbett aus, wenn der Hedwigsfall abgelassen war und daraus sollte nun das Kötztinger Schwimmbad werden, das sich sogar für Schwimmwettkämpfe eignen sollte.
Das Flussbett wurde ausgebaggert und der Boden teilweise betoniert und teilweise mit großen Granitplatten belegt. Das Schwimmbecken wurde in einen Nichtschwimmer und Schwimmerbereich einteilt und dann konnte es losgehen.
Zuerst allerdings brauchte das Bad einen richtigen Zugang



Fußgängerzugangsbrücke, noch ohne das kleine Kartenhäuschen

Auch wenn die nebenstehende Zeitung nicht datiert ist, Der einzige Sonntag, der auf einen 9. Juli fällt, war im Jahre 1939.
Also Eröffnung des Kötztinger Luft- Schwimm- und Sonnenbades war am 9.Juli 1939 und dieser Festakt wurde mit einem Schwimmfest begangen




zwei der Herren kennen wir, links Herr Dullinger und Mitte Wensuer Gottfried, der Kameramann zahlreicher Kötztinger Filme. Der Mann mit der Lederhose, der rechts aus dem Bild geht, ist der damalige Kötztinger Bürgermeister Hans Kroher.


 Hier nun das Bild der Fußgängerbrücke nun schon mit dem Kartenhäuschen für die Frau Krämer.


 Die letzten vier Bilder wurden dem Arbeitskreis Heimatforschung von Herrn Schwarz zur Verfügung gestellt.

 Im Zusammenhang mit geschichtlichen Arbeiten und Dokumentationen ist es vollkommen unproblematisch und vom Gesetzgeber auch ausdrücklich zugelassen die Hakenkreuzfahne der NSDAP zu veröffentlichen. Allerdings bin ich nicht in der Lage eine mögliche Verlinkung meiner Bilder zu beeinflussen oder sogar zu verhindern, daher habe ich die Swastika in allen Bildern und Plänen unkenntlich gemacht.












hier noch ein Bild des Schwimmkampfes aus dem Fundus des Stadtarchives.




Achtung Smartphones können vermutlich die Filmsequenzen nicht darstellen........ auf dem PC funktionieren sie..... Wozu braucht man ein Erlebnisbad, wenn es in der Natur so gute Möglichkeiten gibt, auch diese kurze Filmsequenz stammt aus dem Film von Wensauer Gottfried. Heute, am 27.11.2014 stand in der Zeitung, dass das im Herbst abgebrannte Hauptgebäude, das Hexenhäusl, wieder aufgebaut werden solle, der Bauausschuss hat dem Vorhaben zugestimmt. Also, auf eine weitere Zukunft unseres Flussbades

ein kleiner Nachtrag zu dem Schwimmbadthema:
hierzu fand ich noch ein  bezeichnetes Bild von Herrn Auzinger sen. (Bildausschnitt aus dem Film) und auch auf einem Bild einer gemütlichen Runde der Spitze der Kötztinger Feuerwehr, die sich nach einer Übung auf der Terrasse versammelt, finden sich neben Herrn Auzinger sen. noch einige bekannte Kötztinger, vor allem Herr Traurig. Michael Traurig hat mir übrigens das Bild zugesandt und hat die Rechte.

einer der wenigen Kötztinger Bürger, die ich nur in Lederhose in Erinnerung habe, neben Dr. Angerer und Bgm Kroher


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