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Sonntag, 7. April 2013

Schön wärs gewesen .......

Touristisches Großprojekt in Kötzting

auch Kötzting plante bereits einmal einen Konzertsaal



.......leider ist es über die Genehmigungsphase nicht hinausgekommen.
Es steht zu vermuten, dass das die Planung und das Genehmigungsverfahren aus den Jahren 1924 und 1925 ein Opfer der Weltwirtschaftskrise geworden sind, denn grundsätzlich waren alle Lampen schon auf grün.
Doch der Reihe nach




















Der Architekt und Baugeschäftsinhaber Michael Herre stellte am 10.9.1924 beim Gemeinderat Kötzting ein Gesuch für die Errichtung eines Kinos.



Ganz nüchtern nannte er das beeindruckende Gebäude im Gesuch einfach ein Kino.
Herr Herre dachte aber bei diesem Projekt viel weiter, es war eher ein multifunktionelles Gebäude.
Der Bau sollte in etwa dort errichtet werden, wo im alten Postgebäudekomplex das Rückgebäude steht, also das alte Fernmeldeamt. Das Postamt wurde ja erst in Mitte der 30er Jahre errichtet, in den 20er Jahren nannte man das Gelände einfach den "Herregarten".
Zwischen dem Hauptgebäude der Familie Herre und der ehemaligen Bäckerei Irlbeck war ja damals noch viel Platz.
In diesem Gebäude sollte im Erdgeschoss ein Kino, eine Konzertsaal mit Orchestergraben und getrennten Ankleideräumen für Damen und Herren integriert werden:
Erdgeschoss
Einen Stock höher, im Obergeschoss würde sich eine umlaufende Galerie und ein Speisezimmer für die Pensionsgäste mit Caffeerestaurant befinden.


erstes Obergeschoss

 Das Dachgeschoss selbst sollte die Pensionszimmer aufnehmen und


Obergeschoss
 

eine Kegelbahn im Keller konnte das Angebot abrunden. 
 
Kellergeschoss

 

Garniert würde das Ganze noch durch Freiterrassen im ersten Stock mit Blick auf Weissenregen u nd das Regental.

Der Architekt und Baumeister Michael Herre schrieb in seinem Antrag:
Einem allgemeinden Bedürfnis entgegen kommend habe ich mich entschlossen, nach beiliegenden Plänen auf meinem Grundstücke in der Bahnhofstraße ein Kino, Konzert- bzw. Tanzsaal und Caffeerestaurant verbunden mit Fremdenpension zu erbauen.
Der kulturelle Wert eines Kinos in Bezug auf Aufheiterungsmittel nach harter Wochenarbeit, Erschließung der herrlichen Naturschönheiten unseres Vaterlandes sowie des Auslandes, auch für die nicht mit Reisemittel Gesegneten, Einführung in alle Industriezweige und in erster Linie als wertvolles Bildungsmittel für unsere Jugend, dürfte allgemein bekannt sein. Weiters kann die Errichtung eines gut geführten Cafferestaurantes nebst Fremdenpension dem Fremdenverkehr und damit in der Hauptsache unserem Markte nur dienlich sein. Der Betrieb des Unternehmens ist folgend gedacht:
Die gesamte Betriebsführung liegt in Händen des Gesuchstellers und dürfte damit ein moderner Betrieb garantiert sein. Der Saal dient in erster Linie den Kinovorstellungen und sollen solche jeweils Samstag und Sonntag nachmittag stattfinden. Das Cafferestaurant wird wie in den Städten üblich geführt. Abgabe von Caffee, Liköre, Weinen sowie Flaschenbier und auch Speisen.sowohl an Passanten und an die Pensionsgäste. Werden im Saal Theatervorführungen, Konzerte oder Tanz abgehalten kommt Fassbier zum Verschank das von hiesigen Wirten bzw. Brauereien entnommen wird. Moderner Ausbau aller Betriebsräume und Führung des Unternehmens durch mich dürfte die Gewähr geben dass tatsächlich das Unternehmen den Fremdenverkehr fördert und damit der Allgemeinheit und der Gemeinde nur dienlich ist.
Weiter schreibt er, dass der umliegende Garten in die Wirtschaftsführung einbezogen werden soll.

Dieses Gebäude mit einem umfassenden Unterhaltungsangebot wäre sicherlich der gesellschaftliche Mittelpunkt Kötztings geworden. Die Weltwirtschaftskrise mit der Hyperinflation in Deutschland hat wohl eine Ausführung verhindert
Das wars für heute: der nächste Beitrag ist geplant über ein neu aufgetauchtes Bild einer Frau aus Kötzting, die vor GANZ langer Zeit Pfingstbraut gewesen war.


Die Pläne und das Antragsschreiben entstammen alle aus dem Akt: Rep 168-8  Nr 3814
des Staatsarchives Landshut.